ELLEN RICHTER: Die grosse Unbekannt des Weimarer Kinos – Retrospektive im METRO. Publikation bei SYNEMA


Filmarchiv Austria & SYNEMA

 

laden Sie mit großer Freude vom 5. Feber bis 4. März 2026 zur Retrospektive » ELLEN RICHTER – DIE GROSSE UNBEKANNTE DES WEIMARER KINOS « ins Metro Kinokulturhaus ein, die von den beiden Autoren der bei SYNEMA-Publikationen erschienenen gleichnamigen Monografie kuratiert wurde.

Im Mittelpunkt dieses Buches und dieser Schau steht ELLEN RICHTER, Star, Produzentin und bezaubernde Diva des Goldenen Zeitalters des deutschsprachigen Films von 1918 bis 1933. Der Berliner Filmhistoriker PHILIPP STIASNY und OLIVER HANLEY, Kurator und Filmrestaurator in Potsdam-Babelsberg, haben mit der Lebens- und Arbeitsgeschichte dieser außergewöhnlichen Frau einen Schatz gehoben, der zur Begegnung mit einer zu Unrecht vergessenen Künstlerin einlädt und ein vielfältiges Lese- und Seh-Erlebnis bereithält.

Die Retrospektive, die sich als Teil #2 perfekt in das Filmarchiv-Jahresprogramm mit dem Titel » DIE FILMGESCHICHTE IST WEIBLICH « reiht, umfasst ein buntes Potpourri an Abenteuerfilmen, Krimis und Komödien mit dieser beeindruckenden Schauspielerin: Ihr Name steht ebenso für Witz und Charme, wie für eine neue Weiblichkeit, furchtlos, abenteuerlustig, eigensinnig.

Nehmen Sie die einmalige Gelegenheit wahr, Filme, die lange als verschollen galten, in exzellent restaurierter Fassung auf der Leinwand zu sehen, live begleitet von engagierten Stummfilmmusikerinnen und -musikern, die auch dazu beitragen, die Bilder zu neuem Leben erwecken.

 

Retrospektive

ELLEN RICHTER – DIE GROSSE UNBEKANNTE DES WEIMARER KINOS

Do, 5. Feb. – Mi, 4. März 2026 im METRO Kinokulturhaus | Johannesgasse 4 | 1010 Wien

eine Zusammenarbeit des FILMARCHIV AUSTRIA und von SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien

 

ELLEN RICHTER – EINE FILMPIONIERIN AUS WIEN

von Philipp Stiasny und Oliver Hanley

 

»Meine Eltern waren jüdische Bürgersleute aus Ungarn, die aus mir eine brave Hausfrau machen wollten. Wie groß war ihre Verwunderung, als ihre Tochter ihnen einige Jahre später mitteilte, dass sie Schauspielerin werden wolle«, erinnert sich Ellen Richter 1928 an ihre Anfänge.

Zu diesem Zeitpunkt ist Ellen Richter – geboren am 28. Juli 1891 als Käthe Weiß in Wien – einer der populärsten Stars des Weimarer Kinos. Auch international hat sie viele Anhänger. Ihr Name steht für Witz und Charme, für eine neue Weiblichkeit, furchtlos, abenteuerlustig, eigensinnig. Stets mobil und modebewusst. Oft blitzt bei aller Emotionalität eine leicht ironische Auffassung ihrer Rollen durch, eine lässige Souveränität.

Eine brave Hausfrau wurde Richter nie, auch nicht, nachdem sie 1915 in Berlin den Zahnarzt und Librettisten Willi Wolff (1883–1947) geheiratet hatte. Fortan bildete sie mit ihm als Autor und Regisseur eine ungeheuer produktive Arbeitsgemeinschaft. Verkörperte Richter mit ihrem dunklen Haar und dunklen Teint zu Beginn ihrer Filmlaufbahn noch oft die Rolle einer »Exotin«, so änderte sich das, als sie 1920 mit Wolff ihre eigene Produktionsfirma gründete. Danach bestimmte sie selbst, wen und was sie spielen wollte. Dazu zählten berühmte Frauen aus der Geschichte sowie die Heldinnen großangelegter Reise- und Abenteuerfilme, die Richter und Wolff nach Südeuropa, Nordafrika und Indien führten. Mit Vorliebe spielte Richter auch Detektivinnen und Revuestars. Ein Anhängsel oder eine Trophäe männlicher Helden war sie nicht.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten hatten Richter und Wolff als Juden Berufsverbot. 1935 emigrierten sie nach Österreich, 1938 weiter nach Frankreich und 1940 in die USA. Nie wieder trat Ellen Richter im Film auf. Ab den 1950er-Jahren lebte sie zurückgezogen in der Schweiz und starb am 11. September 1969 in Düsseldorf.

Von den gut 70 Filmen, in denen Ellen Richter zwischen 1913 und 1933 mitspielte, ist nur ein Bruchteil überliefert. Mit dem wachsenden Interesse an Frauen in der Filmgeschichte ist es in den letzten Jahren gelungen, mehrere ihrer Filme mit Hilfe öffentlicher und privater Förderung zu restaurieren. Anlässlich des Erscheinens des Buches Ellen Richter. Die große Unbekannte des Weimarer Kinos von Philipp Stiasny und Oliver Hanley im Verlag von SYNEMA sind ihre Filme nun erstmals wieder in ihrer Geburtsstadt Wien auf der Leinwand zu bewundern.

Do, 5.2., 18:00 – Moral

Willi Wolff, DE 1928, Restaurierte Fassung des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Was darf eine Frau? Diese Frage liegt vielen Ellen-Richter-Filmen zugrunde. In MORAL spielt Richter einen berühmten Revuestar, dessen selbstbewusstes Auftreten die sittenstrengen Bürger einer Kleinstadt in Rage versetzt. Man vertreibt sie von der Bühne, stattet ihr aber später persönliche Besuche mit erotischen Absichten ab. Die Künstlerin wehrt sich. Heimlich fertigt sie Filmaufnahmen der Freier an und enttarnt so die Moral als Doppelmoral. Eine Paraderolle für Ellen Richter: In großartigen Revueszenen glänzt sie als Diva an der Seite der Tiller Girls und pariert die Angriffe der Männer mit Witz und Klugheit. Aus Ludwig Thomas Theaterstück macht Richters Ehemann Willi Wolff eine schmissige Satire voller Situationskomik und Dynamik – und setzt dabei dem männlichen Kamerablick einen weiblichen entgegen. (ps/oh)

Mit einer Einführung und Live-Musikbegleitung von Heidi Fial und Chris Prückner

 

sowie der Buchpräsentation von:

 

ELLEN RICHTER – Die groSSe Unbekannte des Weimarer Kinos

Philipp Stiasny = Oliver Hanley

SYNEMA ≡ PUBLIKATIONEN (Wien) 2026

 

Die aus Wien gebürtige Ellen Richter (1891–1969) war in gut 70 Filmen auf der Leinwand zu bewundern, galt als einer der populärsten Stars des Weimarer Kinos, schrieb als selbstständige Produzentin ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des weiblichen Filmschaffens – und ist heute doch vergessen. Dem arbeitet die vorliegende Hommage entgegen, die den Titel eines ihrer berühmten Werke aus 1924 aufgreift: Die große Unbekannte, ein Abenteuerfilm, in dem sie per Auto, Schiff und Flugzeug um die ganze Welt reiste.

Modern und aktuell, spannend, komisch, extravagant, geheimnisumwittert – all das verkörperte Ellen Richter in ihren Rollen perfekt und hielt mutig den Männern nicht nur auf der Leinwand einen Spiegel vor. Als Produzentin setzte sie mit ihrem kreativen Partner und Ehemann Willi Wolff (1883–1947) Trends und war mit ihren Geschichten am Puls der Zeit. Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebte sie im Exil. Nach 1945 wurde sie nicht müde, um die Rückgabe der ihr geraubten Filme zu kämpfen.

Jahrzehntelang war Ellen Richter aus der Filmgeschichte verdrängt. Ihre Abenteuerfilme, historischen Dramen, Krimis und Komödien sind zu einem großen Teil verschollen und beinahe unsichtbar. Basierend auf umfangreichen Archivrecherchen und Restaurierungsprojekten wird das überlieferte Filmschaffen nun erstmals film- und kulturhistorisch gewürdigt. Zum Vorschein kommen die vielen Gesichter einer Künstlerin, die die Menschen mit ihrem Selbstbewusstsein, Humor und unkonventionellen Rollen begeisterte.

Die opulent illustrierte Monografie ist das Ergebnis einer über Jahre dauernden intensiven Recherche zur Wiederentdeckung einer großartigen Schauspielerin, die in ihren Filmen nonchalant mit herkömmlichen Rollenmustern bricht. Sie legt sich mit Despoten an, verkörpert Detektivinnen ebenso glaubwürdig wie Pilotinnen, nimmt das Kinopublikum – bis heute – mit selbstironischem Spiel, Crossdressing-Einlagen und immenser Kamerapräsenz für sich ein.

Hardcover gebunden, 320 Seiten, 210 Fotos in Farbe und s/w

Mit Vignetten von Mila Ganeva, Anjeana K. Hans, Katharina Loew, Tobias Nagl, Michael Wedel

SYNEMA-Publikationen (Wien) 2026

ISBN 978-3-901644-97-9 Preis: € 28.-

Erhältlich im stationären Buchhandel oder direkt zu bestellen bei: office [at] synema.at

 

 

Das weitere Filmprogramm der Retrospektive ELLEN RICHTER

 

Fr, 6.2., 18:00 – Die Tochter des Mehemed / Der Aberglaube

Alfred Halm, DE 1919, Restaurierte viragierte Fassung des Filmarchiv Austria

Georg Jacoby, DE 1919, Restaurierte Fassung EYE Filmmuseum

Immer wieder spielt Richter exotisch-erotische Außenseiterinnen. In DER ABERGLAUBE ist sie eine Zirkusartistin, die ohne ihr Zutun selbst- zerstörerische Leidenschaften in den Männern weckt und deshalb ständig auf der Flucht ist. Am Ende steht sie einem abergläubischen Lynchmob gegenüber. Die Schlussbilder erinnern an Spielfilme, die um 1920 antijüdische Pogrome darstellten und sich gegen den grassierenden Antisemitismus stemmten. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Oliver Hanley und Live-Musikbegleitung von Elaine Brennan

 

Sa, 7.2., 18:00 – Lola Montez, die Tänzerin des Königs

Willi Wolff, DE 1922, Restaurierte viragierte Fassung des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Die Geschichte einer vielbewunderten Außenseiterin, die vor dem Galgen aus Spanien nach Venedig flieht, in Paris Teil einer politischen Verschwörung und in München die Geliebte des Königs wird. In ihrer Verfilmung des Lebens von Lola Montez (1821–1861) verbindet Ellen Richter vielfältige Milieus, Schauplätze und Genres: Proletarisches und Aristokratisches, Musik und Tanz, Abenteuerfilm, Crossdressing-Komödie und Melodram. Ellen Richters Lieblingsfilm. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Oliver Hanley und Live-Musikbegleitung von Elaine Brennan

 

So, 8.2., 18:30 – Leben um Leben

Richard Eichberg, DE 1916, Restaurierte Fassung des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Ellen Richter als Femme fatale. Anders als in den 1920er-Jahren spielt sie zu Beginn ihrer Filmkarriere auch äußerst zwielichtige Figuren. In ihrem frühesten vollständig überlieferten Film LEBEN UM LEBEN wirkt sie als Fürstin Carmen Metschersky freundlich und charmant, wird aber von Habgier und Rachsucht getrieben. Sie sät Zwietracht und schreckt vor nichts zurück. Bis ihre Gefühle sich plötzlich wandeln. Das Ende ist eisig. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Oliver Hanley und Live-Musikbegleitung von Heidi Fial und Chris Janka

 

Do, 12.2., 18:00 – Der Juxbaron

Willi Wolff, DE 1926/27

Eine umwerfende Verwechslungskomödie über Lügen, Manieren und Mitgiftjägerinnen. Bevor sie zum Film ging, spielte Ellen Richter 1914 in der Berliner Theaterinszenierung von Der Juxbaron mit und lernte dabei ihren späteren Ehemann Willi Wolff kennen. Zwölf Jahre später produziert sie diese Filmadaption, in der sie ausnahmsweise nicht mitspielt. Dafür wirkt neben Reinhold Schünzel ein aufstrebender Star in seiner ersten großen Rolle mit: Marlene Dietrich mit Monokel. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Philipp Stiasny und Live-Musikbegleitung von Florian C. Reithner

 

Fr, 13.2., 18:00 – Die Dame mit dem Tigerfell / Das Bacchanal des Todes

Willi Wolff, DE 1927

Richard Eichberg, DE 1917, Restaurierte viragierte Fassung des EYE Filmmuseum

Mitten im Karnevalstreiben in Nizza wird ein Mann erstochen. Ellen Garet (Ellen Richter) beginnt zu recherchieren und stößt im Milieu der Reichen und Schönen auf Falschspieler und Kunstdiebe. DIE DAME MIT DEM TIGERFELL ist ein typischer Ellen-Richter-Film: flott inszeniert, vollgepackt mit Spektakel und schönen Landschaften, schicker Mode und schnellen Autos, Krimispannung, Komik und Ironie. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Philipp Stiasny und Live-Musikbegleitung von Elaine Brennan

 

So, 15.2., 18:00 – Der Flug um den Erdball Teil 1: Von Paris bis Ceylon Teil 2: Indien – Europa

Willi Wolff, DE 1925, Restaurierte Fassung von FPA Classics

Berühmt ist Ellen Richter besonders als Star von mehrteiligen Reise- und Abenteuerfilmen, die sie quer durch Europa bis nach Afrika, Asien und Amerika führen. Sie ist die erste Schauspielerin, die diesem männlich dominierten Genre eine weibliche Prägung gibt. Als Pilotin Ellinor Rix muss sie im Zweiteiler DER FLUG UM DEN ERDBALL beweisen, dass sie mit einem neuentwickelten Flugzeug in 13 Tagen um die Welt fliegen kann. Ein Saboteur durchkreuzt ihre Pläne. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Philipp Stiasny und Live-Musikbegleitung von Gerhard Gruber

 

Mo, 16.2., 18:45 + Mi, 4.3., 20:15 – Die Abenteuerin von Tunis

Willi Wolff, DE 1931, Restaurierte Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau- Stiftung

Ein Reise- und Abenteuerfilm, der sich um die Ausbeutung von Bodenschätzen in Nordafrika, heimliche Waffenlieferungen und aufständische Beduinen dreht. Geboten werden Spannung und kolonialistische Klischees, dazu hochkomische Verwicklungen um Karl Huszár-Puffy und Senta Söneland. DIE ABENTEURERIN VON TUNIS ist Ellen Richters erster Tonfilm. Endlich hören wir ihre Stimme: ein unüberhörbarer Wiener Akzent, lässig, unaufgeregt. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Brigitte Mayr am 16.2.

 

Sa, 21.2., 17:30 – Schatten der Weltstadt

Willi Wolff, DE 1925, Restaurierte Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau- Stiftung

Ellen Richters düsterster Film. Nach dem Mord an ihrem Ehemann, einem nach außen galanten, in Wirklichkeit aber brutalen und sadistischen Präfekten, wird Olly Bernard (Ellen Richter) vor Gericht gestellt. Die missbrauchte und gedemütigte Frau wird zwar freigesprochen, doch um ihren Ruf wiederherzustellen, macht sie sich auf eigene Faust in der Pariser Unterwelt auf die Suche nach dem wahren Täter. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Brigitte Mayr

 

So, 22.2., 18:30 + So, 1.3., 18:00 – Strafsache van Geldern

Willi Wolff, DE 1932, Restaurierte Fassung des Bundesarchivs

Vor unseren Augen zieht die Karriere des Revuestars Martha van Geldern (Ellen Richter) vorüber. Dann ein Schrei. In ihrer Villa wird Martha ermordet aufgefunden. Alles spricht gegen ihren Ehemann (Paul Richter), bis ihm »Ausbrecherkönig« Willi Vogel (Fritz Kampers) zu Hilfe kommt. STRAFSACHE VAN GELDERN ist Krimi und Gerichtsdrama, vor allem aber ein Archiv, denn eingeschnitten sind Szenen aus heute verschollenen Ellen-Richter-Filmen. (ps/oh)

Mit einer Einführung von Michael Omasta am 22.2.

 

Mehr zu den Filmen, den genauen Credits, den Terminen und Kartenreservierungen unter

https://www.filmarchiv.at/de/kino/filmreihe/sg_032Cy31qvPGIBs8lkzdzQf