Online: Ein Überblick über die albanische Literatur von den Anfängen (16. Jahrhundert) bis zu den ʾ90-iger Jahren


Dienstag 14. Dezember 2021, 18.00 Uhr.
Literaturwissenschaft in Centrope:
Ina Arapi (Wien).

Das Albanische ist eine alte Sprache, aber spät dokumentiert. Das erste Buch, das wir bis dato kennen, ist das Messbuch des Priesters Gjon Buzuku (1555), das höchstwahrscheinlich in der venezianischen Emigration entstanden ist. In dieser Zeit war Albanien Teil des Osmanischen Reiches, ein Zustand, der sich erst im Jahr 1912 änderte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Literatur in der albanischen Sprache spärlich und in vier verschiedenen Kreisen, die in einem losen Kontakt miteinander standen. Diese waren der Kulturkreis der Katholiken im Norden des Landes, der orthodoxe Kreis im Süden, die Bejtexhinj- Literatur, die von muslimischen Dichtern im Sinne der orientalischen Literatur kreiert wurde und der Kulturkreis der Arbëreshë im Süd-Italien. Die albanische Sprache wurde im Osmanischen Reich stark bekämpft und die albanischen Schulen waren verboten.
Das Voranstreiten der albanischen Nationalbewegung war eng mit der Entwicklung der albanischen Literatur verbunden. Einerseits unterstützte und verbreitete die Literatur die neuen Ideen, anderseits war die Stärkung des nationalen Bewusstseins ein Anstoß zur Entstehung einer neuen Literatur, die Literatur der Rilindja-Zeit. Die Periode bis zur Unabhängigkeit Albaniens am 28. November 1912 verzeichnet ein Durchbruch in der albanischen Schriftlichkeit. Es erschienen nicht nur viele literarische Werke, vor allem Dichtungen, sondern auch viele Zeitungen und Zeitschriften, die Presse entwickelte sich rasant, viele Schulbücher wurden nach der Öffnung der ersten Albanischen Schule am 7. März 1887 verfasst, Theatergruppen wurde gebildet, die Folklore gesammelt und im Allgemeinen das kulturelle Leben stark animiert.
Der zweite Durchbruch gelang der albanischen Literatur in den 60-iger Jahren, als Albanien dem Ostblock angehörte. In der Zwischenkriegszeit hatte sich die Literatur gut entwickelt und war ein wichtiger Aspekt des Lebens geworden. Jetzt als Ostblockland musste sich die Literatur den Prinzipien des Sozialistischen Realismus unterwerfen. Der Ruf nach einer guten und von den Lesern gut angenommenen Literatur wurde laut. Es begannen heftige Debatten, die zum Schluss auch erfolgreich waren. Trotz Repressionen und immer wieder gegen Kunstschaffenden eingesetzte schwere Maßnahmen, die bis zu Gefängnistrafen führten, entwickelte sich die Literatur umfangreich und wurde zu einem der wichtigsten Elemente im kulturellen Leben. Mit den Übersetzungen in verschiedenen europäischen Sprachen konnte die albanische Literatur auch den europäischen Lesern bekannt gemacht werden und somit auch ihren Beitrag zu der Rezeption der Literatur in Europa einbringen.

Mit dem Fall der Berliner Mauer begann eine neue Ära in der europäischen Geschichte. Und es war gerade die Literatur, die als erste die Isolation Albaniens durchbrach und neben der Politik den wichtigsten Beitrag zur Wiederkehr des Landes in Europa leistete. Albanien war durch die starke Isolation ein fast vergessenes und unbekanntes Land. Nach der Wende waren vor allem die Schriftsteller und andere Kunstschaffende, wie Maler, etc., die dem ausländischen Publikum das Land und die Menschen präsentierten. Viele von ihnen wurden überall eingeladen ihre Werke vorzustellen, die auch in etlichen Sprachen übersetzt wurden. Somit konnte eine erste Brücke aufgebaut werden, die von vielen anderen Aktivitäten in verschiedenen Bereichen, wie in der Politik, Wirtschaft, Bildung, Tourismus gefolgt werden konnte. Heute ist die albanische Literatur noch nicht so wie es sein sollte in der europäischen Literatur eingegliedert. Daran muss noch lange gearbeitet werden.

Ina Arapi wurde in Tirana geboren, lebt seit Oktober 1990 in Wien. Studierte Sprache und Literatur an der Fakultät für Geschichte-Philologie der Universität Tirana. Nach Abschluss des Studiums arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sprachwissenschaft und Literatur der Albanischen Akademie der Wissenschaften. Schloss das postuniversitäre Studium, angefangen im Oktober 1986 an der Universität Wien und unterstützt durch ein Stipendium des österreichischen Staates, im Mai 1995 mit der Nostrifizierung der an der Universität Tirana erworbene Diplom über die albanisch-rumänischen Sprachbeziehungen im Bereich des Lexik ab. Promotion 2008 „Der Gebrauch von Infinitiv und Konjunktiv im Altalbanischen (Buzuku, Budi, Bogdani) mit Ausblick auf das Rumänische“. Es war die zweite Doktorat im Bereich der Albanologie an dieser Universität nach 75 Jahren. Arbeitet als Lehrerin der albanischen Sprache und Literatur an österreichischen und internationalen Schulen. War Lektorin der albanischen Sprache an der Universität Wien bis 2010, seitdem wird dieses Fach nicht mehr angeboten. Ihr Spezialbereich sind ostromanische Sprachen, in erster Linie das Rumänische und die Beziehungen zwischen Albanisch und Rumänisch, sowie die Geschichte der albanischen Sprache. Hat viele Beiträge im Bereich der Albanologie und Balkanlinguistik veröffentlicht. Teilnahme an mehreren Konferenzen in ganz Europa.

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