Wem gehört die Wahrheit? – Der politische Gegner im Visier der Kamera


Der Dokumentarfilm hat sich im Verlauf seiner Geschichte eine schillernde Vielgestaltigkeit erobert. Mit dieser Vitalität, jenseits gängiger Erklär-, Belehr-, Appell- und Verlautbarungsstrategien, vermochte jedoch die Rezeptionskultur nicht immer Schritt zu halten. Lücken des Missverstehens taten sich auf. Dies umso mehr bei Filmen, die das politisch Andere ins Visier der Kamera nehmen.

DOK Leipzig sieht als Festival seine Aufgabe auch darin, die Vielfalt dokumentarischer Idiome abzubilden und dadurch eine differenzierende Filmbetrachtung zu befördern, die ungewohnten künstlerischen Arbeitsweisen mit Sorgfalt und Unvoreingenommenheit gegenübertritt.

„Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen, und misstrauen Sie denen, die sie gefunden haben.“ Unter dieser Prämisse, frei nach André Gide, sind auch die Texte hier versammelt. Die Autorinnen und Gesprächspartner sehen wir als spirituelle Paten der Fragestellung „Wem gehört die Wahrheit?“ Das Dossier will keine schnellen Antworten liefern, sondern ein Plädoyer sein für die Langsamkeit, aus der eine Haltung erwächst.

Mit Beiträgen von Ralph Eue, Nino Klingler, Frank Castorf, Thomas Harlan, Robert Kramer, Cristina Nord, George Orwell, Harun Farocki, Rudolf Worschech, Helene Hegemann, Kenneth Anders sowie den Filmen zum Symposium und Gesprächen mit Marcel Ophüls, Tamara Trampe, Thorsten Trimpop und Ruth Beckermann

WEM GEHÖRT DIE WAHRHEIT?
Der politische Gegner im Visier der Kamera
64 Seiten, 30 Fotos in Farbe und Schwarzweiß, geheftet
Verlag: SYNEMA Publikationen (Wien)
ISBN 978-3-901644-81-87 Preis: € 10.-

Ab 4. November erhältlich im niedergelassenen Buchhandel oder direkt bei SYNEMA unter: office[at]synema.at

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WEM GEHÖRT DIE WAHRHEIT?

Der politische Gegner im Visier der Kamera

Symposium im Rahmen von DOK Leipzig am 31. Oktober und 1. November 2019

Berlin, September 1992. Kurz vor der Premiere von STAU – JETZT GEHT’S LOS ist ein Flugblatt im Umlauf mit dem Titel: „Kein Rederecht, kein Organisationsrecht, keine Propagandafreiheit für Faschisten!!!“. In dem Dokumentarfilm porträtiert Thomas Heise eine Gruppe rechtsradikaler Jugendlicher aus Halle an der Saale. Die Berliner Antifaschisten rufen zum Boykott der Uraufführung auf.

Die Zone zwischen Meinung und Haltung ist vielleicht nicht grau. Aber ihre Grenzen sind zumindest nicht klar abgesteckt und ihr Ausloten löst hitzige Konflikte aus, mit denen sich auch der Dokumentarfilm konfrontiert sieht – und sah.

„In der jüngsten Festivalgeschichte waren mit LORD OF THE TOYS und MONTAGS IN DRESDEN Filme im Programm, die polarisierten. Das ist allerdings kein neues Phänomen“, so Ralph Eue, der das zweitägige Symposium initiiert hat. „Politisch umstrittene Filme gab es bei DOK Leipzig, solange das Festival existiert. Wir wollen die Lage sondieren und ausgehend von verschiedenen Filmen schauen, welche Strategien die Filmemacher/innen verfolgt haben, wenn sie den politischen Gegner vor der Kamera hatten.“

In sieben Programmblöcken wird die Leitfrage WEM GEHÖRT DIE WAHRHEIT? von verschiedenen Seiten und in verschiedenen Formaten beleuchtet.

Das Symposium ist eng verknüpft mit weiteren Sonderreihen des Festivals. So finden sich im Programm der Re-Visionen und in der Retrospektive eine Reihe von Filmen, die ebenfalls in direktem Zusammenhang mit der Frage Wem gehört die Wahrheit? stehen

Das detailliertes Programm, alle Teilnehmer*innen und die gezeigten Filme des Symposiums finden Sie unter

https://www.dok-leipzig.de/de/festival/symposium

Einen allgemeinen Programmüberblick zu DOK Leipzig (28.10.-3.11.2019) hier

https://www.dok-leipzig.de/festival/programm/programmueberblick

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Wir danken Ralph Eue und Marie-Thérèse Antony, Sylvia Görke (DOK Leipzig) und insbesondere Thomas Arslan (Filminstitut, Universität der Künste Berlin).

SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien ist eine vom Bundeskanzleramt/Sektion Kunst und Kultur – Abteilung II/3: Film geförderte Institution.