Do, 29.1.2026 | 19.00 Uhr
Lesung und Gespräch: Elias Hirschl.
Moderation und Gespräch: Matthias Seier.
Elias Hirschl, neben seinen Romanen als Musiker und Poetry Slammer bekannt, hat sich in den letzten Jahren als erzählerischer Tausendsassa gezeigt. In Salonfähig (2021) ist ein namenloser Ich-Erzähler vollkommen von seinem Idol, dem Parteichef Julius Varga, eingenommen. Stundenlang übt er vor dem Spiegel dessen Gang, dessen Lächeln und dessen Art zu sprechen. „Ich gebe mich für dich auf, Julius. Ich liebe dich.“ In seiner Abwesenheit gießt er seine Zimmerpflanzen, als ob dies ein Staatsakt wäre. Auf einer unteren Ebene dient der Erzähler der Partei und eifert seinem Vorbild nach. Er ist besessen von Marken und Äußerlichkeiten und der Ästhetik von Terroranschlägen. Elias Hirschl gelang damit ein wahnwitziges Porträt der politischen Generation Slim-fit, das von der Kritik häufig in Nähe von Bret Easton Ellis’ Kultroman American Psycho (1991) gerückt würde.
Content (2024) war Elias Hirschls absurd-dystopische Auseinandersetzung mit der schönen neuen Welt der Digitalisierung. Seine Erzählerin arbeitet in der Content-Farm Smile Smile Inc. und schreibt sinnbefreite Listen-Artikel, die Clicks generieren sollen. (Nummer 7 wird Sie zum Weinen bringen!) Die sind genauso bedeutungslos wie die Memes und YouTube-Videos, die ihre Kolleginnen produzieren. Oder die Start-ups, die ihr Freund Jonas im Wochenrhythmus gründet, während die Stadt brennt. Und schlussendlich ebnet die Hoffnungsträgerin KI die Unterscheidung zwischen dem Realen und dem Digitalen ein.
In seinem neuen Roman Schleifen stellt Elias Hischl mit einer historischen Folie sprachphilosophische Fragen. Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Sie lernt, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Die beiden entwickeln eine absolute Sprachbesessenheit und forschen fortan und bis an alle denkbaren Grenzen gemeinsam nach der perfekten Sprache.
Seinen Roman stellt Elias Hirschl im Literaturhaus Wien im Gespräch mit dem Volkstheater-Dramaturgen Matthias Seier vor.
Der Veranstaltungseingang befindet sich in
der Zieglergasse 26A, 1070 Wien.
Eingang für Personen mit eingeschränkter
Mobilität: Seidengasse 13, 1070 Wien
(Anmeldung unter Tel. +43 1 5262044-0 oder
veranstaltungen@literaturhaus.at erbeten)
Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr und kann über den Livestream www.literaturhaus-wien.at – der entsprechende Link ist 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn aktiv – mitverfolgt werden.
