Josef Winkler
Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht
¡Premiere!
Lesung und Gespräch: Josef Winkler
Moderation und Gespräch: Florian Baranyi
„Ich schreibe dich – / Zur Welt bist du wieder gekommen / mit geisternder Buchstabenkraft“, heißt es in einem der Gedichte von Nelly Sachs, das Josef Winkler in seinem neuen Roman zitiert, in dem er seine fünf Jahre ältere, mittlerweile verstorbene Schwester Maria, die sich in ihrer gemeinsamen Kindheit auf dem Bauernhof vor allem um den rebellischen Josef gekümmert hat, in die Welt zurückschreibt. Für eine Ausbildung zur Konditorin verlässt sie das Dorf, arbeitet jahrelang in den verschiedensten Hotels, kehrt nach Ausbruch ihrer seelischen Erkrankung und nach dem ersten Selbstmordversuch in ihr Elternhaus zurück, wo sie auf ihren Bruder Josef trifft, der nach dem Skandal um sein erstes Buch ebenfalls dort Zuflucht sucht. Der Roman Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht, der auch in surrealen Bildern andeutet, welche ungeheuerlichen Vorkommnisse das Dasein seiner Schwester bis in den Tod verdunkelt haben mögen, verschränkt die Heimkehr der verlorenen Tochter und die Rückkehr des verlorenen Sohns ineinander. Seit seinem Debüt Menschenkind kreist Josef Winklers literarischer Kosmos um die Themen Tod, Ritus und Gewalt. Kaum ein Schriftsteller entwickelte eine derart eigenständige literarische Methode wie der im Kärntner Bauerndorf Kamering geborene Büchnerpreisträger. Bereits in seinem ersten ORF Interview, in der er über die Enge des bäuerlichen Lebens in seinem Kärntner Heimatdorf sprach, sagte er, man habe ihm in dort seine Sprache erst gewaltsam genommen und dann gewaltsam wieder gegeben – anstatt eines Stotterers sei ein Dichter aus ihm geworden. Die Pointe lieferte er in einem nachgestellten Halbsatz, in dem er angab, zwischen dem Stotterer und dem Dichter keinen Unterschied zu finden. Der Dichter Winkler blieb über die Jahre insofern mit einem Stotterer verwandt, als nicht nur seine Themen – Tod, katholischer Ritus, die übermächtige Vaterfigur – immer und immer wieder kehrten und kehren, sondern seine Erzählung stockt und in kleine Teile zerfällt, die wiederholt und variiert werden. Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht schließt einen Kreis zum Anfang von Winklers solitärem Werk und fügt ihm eine neue Ebene hinzu. Im Literaturhaus Wien präsentiert Josef Winkler seinen neuen Roman erstmals im Gespräch mit Florian Baranyi.
https://www.literaturhaus-wien.at/event/josef-winkler-das-glueck-ist-ein-engel-mit-ernstem-gesicht/
