Zum 28. Mal wird Graz vom 27. März bis 1. April mit der | D | iagonale – Festival des österreichischen Films 2025 zur Filmhauptstadt des Landes und ist mit seiner Mischung aus historischem Charme und mediterranem Flair der perfekte Ort, um einmal im Jahr in entspannter Atmosphäre zum Dreh- und Angelpunkt der österreichischen Filmbranche zu werden. 163 Filmproduktionen werden zu sehen sein, davon 91 als Österreich- oder Weltpremiere. Für das Publikum bietet sich nach beinahe jeder Filmvorstellung oder bei speziellen Veranstaltungen die Gelegenheit mit den beim Festival anwesenden Filmschaffenden in den Dialog zu treten – also Kino hautnah zu erleben!
Neben dem Wettbewerb bietet das Festival aber auch Spezialprogramme und so freuen wir uns sehr, Sie auf eines der diesjährigen hinweisen zu können, das von SYNEMA auf und gemeinsam mit der Diagonale 25 präsentiert wird:
DIAGONALE-Special | Filmgeschichte | von SYNEMA
»AUS DEM GIFTSCHRANK« – Das toxische Erbe der Wien-Film
Von den im „Dritten Reich“ über 1.200 hergestellten Spielfilmen sind bis heute an die 40 als „Vorbehaltsfilme“ unter Verschluss. Uns interessieren besonders die Produktionen der Wien-Film während der NS-Zeit, die zwar dem deutschen Markt zugerechneten, tatsächlich aber in Österreich von 1939 bis 1945 entstandenen Propagandawerke. Obwohl die Unterhaltung als Spezialität der Produktionsgesellschaft galt, wurden auch einige NS-indoktrinierte Streifen gedreht. Im Nachkriegsösterreich vergaß man gerne, dass die Wien-Film ursprünglich eine von den Nazis nach dem „Anschluss“ ins Leben gerufene Institution war, der Enteignungen und die obligate Vertreibung jüdischer Mitarbeiter:innen vorausgingen. Diesen Erinnerungslücken wird entgegengearbeitet: mit dem Zeigen der Filme, dem Einordnen in den historischen Kontext, der Analyse propagandistischer Strategien und einer Diskussion mit dem Publikum. So bieten wir eine visuelle Reise zur dunklen Seite des Kinos und eine Replik auf den schwierigen Umgang mit dem Nazi-Filmerbe.
Kuratiert von SYNEMA
Brigitte Mayr, Michael Omasta
Den ausführlichen Einleitungstext, der das Thema vorstellt, lesen Sie bitte in Ruhe hier nach: https://www.diagonale.at/filmgeschichte-aus-dem-giftschrank/
FR 28.3. | 11:00 | SCHUBERT 1 (Mehlplatz 2, 8010 Graz)
Heimkehr
Gustav Ucicky, DE 1941, s/w, 96 Min
Vorfilm: Heimkehr. Wien 1941/1996 – Geordnete Leidenschaften VII
AT 1996, 5 Min, OmeU
Zwei Jahre nach Kriegsbeginn sollte dieser Film voll alternativer Fakten den Überfall auf Polen als unumgänglich rechtfertigen. Die wolhyniendeutsche Minderheit sieht sich 1939 zunehmend Übergriffen durch die polnische Bevölkerung ausgesetzt. Allen voran Paula Wessely als brave Lehrerin Marie: Ihre Schule wird geschlossen, ihr Verlobter Opfer des Mobs, sie selbst misshandelt und wie alle Deutschen im Ort in einen Kerker gepfercht. Dort hält sie eine von Pathos triefende Rede über das deutsche Wesen, „weil’s ja gewachsen ist aus den Millionen Herzen der Deutschen, die eingegangen sind in die Erde und zur deutschen Erde geworden sind“. Elfriede Jelinek, die Heimkehr für den schlimmsten Propagandafilm der Nazis überhaupt hielt, schrieb in ihr Theaterstück Burgtheater Teile des Filmdialogs mit ein, den auch der experimentelle Vorfilm Heimkehr. Wien 1941/1996 des Instituts für Evidenzwissenschaft neu montiert.
Mit einer Einführung von Brigitte Mayr.
Weitere interessante Details zum Film: https://www.diagonale.at/filme-a-z/?ftopic=finfo&fid=13144
> SA 29.3. | 11:00 | FILMZENTRUM IM RECHBAUERKINO (Rechbauerstraße 6, 8010 Graz)
Wien 1910
E.W. Emo, DE 1943, s/w, 92 Min
Der Film schildert die letzten Tage im Leben des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger. Monarchisten, Sozialdemokraten, Industrielle und die jüdische Bevölkerung erwarten sehnlich den Tod des umstrittenen Populisten und rabiaten Antisemiten. Im finalen Disput mit dem politischen Rivalen Georg von Schönerer, werden zwingende historische Gründe für den „Anschluss“ ans Großdeutsche Reich verhandelt. Während Lueger für das überkommene Alte, den Kompromiss und die Politik der kleinen Schritte steht, wird Schönerer, der sich in seiner Radikalität zum Teil wortwörtlich nationalsozialistischer Termini bedient, als großer Erneuerer und kompromissloser Revolutionär im Sinne Hitlers charakterisiert. Dennoch kam Wien 1910 in Berlin nicht gut an, weil Hauptdarsteller Rudolf Forster das Österreichertum Luegers besonders betonte; der Film wurde mehrfach umgeschnitten und letztlich verboten.
Mit einer Einführung von Günter Krenn.
Weitere interessante Details zum Film: https://www.diagonale.at/filme-a-z/?ftopic=finfo&fid=13146
> SO 30.3. | 11:00 | FILMZENTRUM IM RECHBAUERKINO (Rechbauerstraße 6, 8010 Graz)
„Deutschland, erwache!“
Erwin Leiser, BRD 1967/68, s/w, 89 Min, OmdU
In seinem Pionierwerk seziert Erwin Leiser die nationalsozialistische Filmpropaganda, mit der das Regime die deutsche Bevölkerung auf seine Ideologie einschwor. Erstmals ermöglichte diese kritische Kompilation, sich mit den 1945 unter „Vorbehalt“ gestellten Machwerken (Hitlerjunge Quex, Jud Süß, Heimkehr usw.) auseinanderzusetzen. Denn hinter der Parole „Deutschland, erwache!“, so Leiser, „verbarg sich das entgegengesetzte Ziel: Einschläfern des Gewissens, des selbständigen Denkens, des Gefühls für Freiheit und Menschenwürde.“ Anhand sorgfältig gewählter Ausschnitte aus 26 Spielfilmen analysiert er mit prägnantem erläuterndem Kommentar die vielfältigen Zusammenhänge zwischen nationalsozialistischem Gedankengut und den Drehbuchstoffen. Das erlaubt Zuschauer:innen, sich selbst ein Urteil über das Gezeigte zu bilden. Eine digitalrestaurierte Fassung des Arsenal – Institut für Film und Videokunst.
Mit einer Einführung von Michael Omasta.
Weitere interessante Details zum Film: https://www.diagonale.at/filme-a-z/?ftopic=finfo&fid=13147
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Das gesamte Programm der Diagonale – Festival des österreichischen Films in Graz vom 27. März bis 1. April 2025 finden Sie unter: www.diagonale.at
Hier der „analoge“ Programm Guide zum Durchblättern: https://www.diagonale.at/wp-content/uploads/2025/03/D_25_Festivalguide_WEB.pdf
Detailliertes Filmprogramm hier https://www.diagonale.at/programm/
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Mit besonderem Dank an das Intendant:innen-Duo Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh, Saskia Pramstaller und Clara Gruber, Michael Pekler und Sonja Pëllumbi sowie an das gesamte DIAGONALE-Team, dafür, dass sie uns mit Filmen und Rahmenprogramm ein Festival bereiten, dort, wo es hingehört: INS KINO!
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SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien ist eine – von der Sektion IV: Kunst und Kultur / Abt. 3: Film des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport – geförderte Institution.
