DIE FILMREIHE Hartmut Bitomsky “Die Arbeit eines Kritikers mit Worten und Bildern”


Wir freuen uns sehr, dass nun die Filmreihe zu Hartmut Bitomsky ihren gebührenden Platz an dem Ort findet, für den seine künstlerischen und dokumentarischen Arbeiten geschaffen wurden: das Kino!

Mit ausgesuchten Arbeiten wird das Zeughauskino Berlin zwischen 14. August und 12. September 2020 in dem Programm „Die Arbeit eines Kritikers mit Worten und Bildern“ einen Querschnitt des besonderen Œuvres des Filmemachers Hartmut Bitomsky vorstellen,

Mehr als 40 Filme in mehr als 40 Jahren umfasst das Werk von Hartmut Bitomsky. Es ist ein umfangreiches und mitunter heterogenes Œuvre, dem oft vorschnell die Labels „dokumentarisch“ oder „Essayfilm“ aufgedrückt wurde, ohne nach den spezifischen Verfahrensweisen der einzelnen Filme zu fragen. 1942 geboren, wurde Bitomsky in der Zeit um 1968 im Filmemachen ausgebildet und zeitgleich politisiert. Auf die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) entstandenen Studentenarbeiten folgte der Versuch, mit marxistischen Lehrfilmen zu agitieren und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Bereits in dieser Zeit beginnt Bitomsky damit, ein film- wie bildkritisches Instrumentarium zu entwickeln, welches sein Gesamtwerk prägen wird und den Ansatzpunkt für diese Filmreihe wie die gleichnamige, von Frederik Lang verfasste Werkmonografie bildet: Hartmut Bitomsky. Die Arbeit eines Kritikers mit Worten und Bildern (2020), erschienen bei SYNEMA (Wien). Die dort entwickelte Figur des „Kritikers“ umfasst Bitomskys methodische Herangehensweise ebenso wie die Tatsache, dass er sich von Anfang an immer auch als Person, als Figur, als Konstrukt eines Autors in seine Werke eingebracht hat.

Bitomskys ursprüngliches Ziel, Spielfilme zu inszenieren, ließ sich nur sehr bedingt realisieren. Der Kinofilm Auf Biegen oder Brechen und einzelne Fernseharbeiten bilden eher Randerscheinungen der Filmografie, die aber nicht weniger aussagekräftig sind. Stattdessen stellte Bitomsky ab den 1970er Jahren vor allem filmkritische und filmvermittelnde Sendungen für den WDR her; über John Ford, Humphrey Jennings oder die beiden Mehrteiler zum frühen Kino Das goldene Zeitalter der Kinematographie und Kulturrevue; hinzu kommen zahlreiche Texte, die er vor allem zwischen 1974 und 1984 in der Zeitschrift Filmkritik veröffentlichte.

Der Film Deutschlandbilder aus dem Jahr 1983 stellt einen End- und Wendepunkt der filmischen Filmkritik dar, von dem an sich die Kritik stärker zu einem analytischen Eingreifen in das Material hin verschiebt; eine Arbeitsweise, die Bitomsky bei Filmen wie Das Kino und der Tod und Das Kino und der Wind und die Photographie fortsetzen wird. Seit den 1980er Jahren entstanden zahlreiche Arbeiten, in denen Bitomsky das entwickelte film- und bildkritische Instrumentarium um dokumentarische Strategien ergänzt. Den Höhepunkt bilden die gewissermaßen als Fortsetzung von Deutschlandbilder entstandenen Filme Reichsautobahn und Der VW Komplex – retrospektiv werden sie mit dem Namen „Deutschlandtrilogie“ zusammengefasst. Die von Frederik Lang kuratierte Filmreihe Die Arbeit eines Kritikers mit Worten und Bildern stellt nun einige Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Œuvres des Filmemachers Hartmut Bitomsky vor, dessen zentrale Werke in der Deutschen Kinemathek archiviert sind.

Das Programm

Deutschlandbilder
BRD 1983, R/B/S: Hartmut Bitomsky, Heiner Mühlenbrock
Freitag, 14. August 2020 18.00 Uhr

Reichsautobahn
BRD 1986, R/B/S: Hartmut Bitomsky
Mittwoch, 19. August 2020 19.00 Uhr

dffb: Studium & Politik
Kurzfilmprogramm Hartmut Bitomsky
Sonntag, 23. August 2020 18.00 Uhr

Auf Biegen oder Brechen
BRD 1975, R: Hartmut Bitomsky
Freitag, 28. August 2020 18.00 Uhr

Das goldene Zeitalter der Kinematographie & Kulturrevue
BRD 1976 & 1979, R: Hartmut Bitomsky, Werner Dütsch
Donnerstag, 3. September 2020 19.00 Uhr

Das Kino und der Tod & Das Kino und der Wind und die Photographie
BRD 1988 & D 1991, R: Hartmut Bitomsky
Samstag, 5. September 2020 18.00 Uhr

Der VW Komplex
BRD 1989, R/B/S: Hartmut Bitomsky
Samstag, 12. September 2020 18.00 Uhr

Ort:
Zeughauskino – Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2, 10117 Berlin

Detaillierte Informationen zu Programm, Terminen und Inhalten der Filme unter
https://www.dhm.de/zeughauskino/filmreihen/hartmut-bitomsky.html

Aufgrund der aktuellen Situation können Tickets ausschließlich online gekauft oder telefonisch (Mo-Fr 13-16 Uhr) reserviert werden unter der Nummer: + 49 30 20304-770

**

In diesem Zusammenhang erinnern wir auch gerne nochmals an das Erscheinen der Monografie im Verlag SYNEMA-Publikationen, die schon lange Zeit überfällig war und die das Gesamtwerk Hartmut Bitomskys in den Mittelpunkt stellt. Der Autor, Frederik Lang, hat an der der Freien Universität Berlin mit dieser Dissertation summa cum laude promoviert.

DAS BUCH

Hartmut Bitomsky. Die Arbeit eines Kritikers mit Worten und Bildern

Wenn die Kamera etwas aufnimmt, dann kann man das mit einem osmotischen Vorgang vergleichen. Was vor der Kamera zu sehen gewesen war, ist übergegangen auf den Film. In diesem Sinne stelle ich mir das Kino vor als das Exil der Realität, die fremde Heimat der Wirklichkeit.“ (Hartmut Bitomsky)

Hartmut Bitomskys Œuvre, das hier erstmals in seiner Gänze vorgestellt wird, umfasst mehr als vierzig Filme, darunter die dokumentarischen Essays Highway 40 West, Deutschlandbilder, Reichsautobahn, Der VW Komplex, Das Kino und der Tod. Bereits Ende der 1960er-Jahre beginnt er damit, ein film- wie bildkritisches Instrumentarium zu entwickeln, das sein Werk bis in die Gegenwart prägen wird und den Ansatzpunkt für diese Untersuchung der Arbeit mit Worten und Bildern darstellt. Denn von Anfang an hat sich Bitomsky immer auch als Person, als Figur, als Konstrukt eines Autors in seine Werke eingebracht: kurzum, als Kritiker.

Hardcover, 302 Seiten, 80 Fotos in Farbe und Schwarzweiß
SYNEMA-Publikationen (Wien) 2020
ISBN 978-3-901644-83-2, Preis: € 28.-

Im Buchhandel erhältlich oder Bestellungen gerne auch direkt bei: office[at]synema.at

**

Die Herstellung dieses Buches wurde durch die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst gefördert.
Gedruckt mit freundlicher Unterstützung der Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften in Ingelheim am Rhein.

Wir danken Frederik Lang für sein Engagement, mit dem er sich auf das Werk von Hartmut Bitomsky in Wort und Bild eingelassen hat,

Gerhard Spring für seine Geduld und Jörg Frieß vom Zeughauskino für die gute Kooperation.

**

SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien ist eine – vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, Sektion IV: Kunst und Kultur/Abt. 3: Film – geförderte Institution.