SYNEMA präsentiert auf und gemeinsam mit der
Diagonale 2023 – Festival des österreichischen Films, Graz
das historische Special
Aktion! Action!
Bernhard Frankfurter und seine Filme
Mit der Unterstützung von Graz 2003, Kulturhauptstadt Europas, war es SYNEMA – Gesellschaft für Film & Medien möglich, den Nachlass von Bernhard Frankfurter zu retten, um ihn sukzessive zu sichern und aufzuarbeiten. 2023 – also genau 20 Jahre später – bringt SYNEMA nun gemeinsam mit der Diagonale und unter Mitwirkung des ORF-Archivs erstmals eine mehrteilige Schau zu Ehren des 1946 in Graz geborenen und 1999 in Wien verstorbenen Autors und Filmemachers zur Aufführung.
„Aktion! Action!“ umfasst vier Programme, die das unbändige Interesse Bernhard Frankfurters an gesellschaftlichen, politischen, kulturellen Soziotopen anschaulich machen und würdigt damit auch den Initiator des hochdotierten und nunmehr jährlich bei der Diagonale vergebenen Carl-Mayer-Drehbuchpreises. Die Filmprogramme werden von fundierten Einführungen begleitet bzw. von vertiefenden Gesprächen mit Wegbegleiter*innen von Bernhard Frankfurter gerahmt.
„Aktion! Action!“ – Bernhard Frankfurter und seine Filme
Ein Special von SYNEMA auf der Diagonale’23
Mit freundlicher Unterstützung des ORF-Archivs.
„Liebe das Leben – lebe den Tod. Dieser Titel eines Dokumentarfilms war kennzeichnend für den vitalen (Widerstands-)Geist des Grazer Schriftstellers, Filmemachers und Kritikers, der sich gerade in den Agenden des mühsam um Anerkennung ringenden heimischen Kinos immer wieder aktiv für unverkennbare Handschriften einsetzte“, schrieb „Der Standard“ 1999 in seinem Nachruf auf Bernhard Frankfurter. Seither ist fast ein Vierteljahrhundert vergangen, viele von Frankfurters intensiven filmischen Arbeiten sind in Vergessenheit geraten – und doch erinnern sich alle, die ihn jemals in Aktion erlebt haben, gerne an die vehementen Kinodiskussionen bei den Welser Filmtagen in den 1980er-Jahren, von denen er ebenso wenig wegzudenken war wie aus den endlosen Debatten rund um die nur zögerlich sich etablierende staatliche Filmförderung.
Frankfurter wurde in Graz geboren und studierte Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Wien. Als Mitglied der linksliberalen Studierendenvereinigung Aktion veröffentlichte er politische Analysen und Manifeste. Im Zuge eines Stipendiums in Paris wurde er 1969 Zeuge der Studierendenrevolte. Die dort gemachten Erfahrungen sollten fraglos Frankfurters späteres entschiedenes Engagement begründen: Als Achtundsechziger galt seine Aufmerksamkeit stets brisanten politischen und verdrängten historischen Themen.
Nach seiner Rückkehr nach Wien entschloss sich Frankfurter zum Studienabbruch, wurde Redakteur des eben gegründeten Wochenmagazins „profil“, schrieb als freier Mitarbeiter für die „Arbeiter-Zeitung“ und das „Extrablatt“. 1972 folgte eine Anstellung beim ORF, wo er über die Jahre an etlichen Dokumentationen, Features und Magazinbeiträgen beteiligt sein und die freien Mitarbeiter*innen in der Sektion Journalismus von 1975 bis 1979 gewerkschaftlich vertreten sollte. 1977 gründete Bernhard Frankfurter mit seinem Freund Michael Pilz und anderen das Syndikat der Filmschaffenden Österreichs, das sich unermüdlich für die Einrichtung einer österreichischen Filmförderung einsetzte. Bis heute gilt es als Frankfurters großer Verdienst, hier als Zündfunke agiert zu haben.
Ein weiterer Themenkreis, dem sich der Regisseur und Drehbuchautor in seinen (Low-Budget-)Produktionen wiederholt zuwandte, ist die Zeit des Nationalsozialismus: Ob in „On the Road to Hollywood“, wo Frankfurter den Spuren der zwischen 1933 und 1938 vertriebenen Regisseuren, Autoren, Schauspieler*innen in die Emigration folgt oder mit „SS-Nr. …“, in dem er ein Gespräch mit einem SS-Arzt in leitender Position im Vernichtungslager Auschwitz dokumentiert.
Die verdiente Anerkennung ist diesem wichtigen Autor und Filmemacher, der als schwierig und unbequem galt, zu Lebzeiten oft verwehrt geblieben. Obwohl er durch seine intensive künstlerische Auseinandersetzung, etwa die unnachgiebige Beschäftigung mit den lange vernachlässigten Themen Filmexil und österreichische Emigration, einen bedeutenden Beitrag zur ‚Rückholung‘ der aus Österreich Vertriebenen leistete.
Umso erfreulicher ist es, dass die Diagonale in Zusammenarbeit mit SYNEMA mit dem Special „Aktion! Action!“ wichtige filmische Arbeiten Bernhard Frankfurters wieder sichtbar macht und zur Diskussion stellt. Das wäre ganz im Sinne des Filmemachers! ( — Brigitte Mayr, SYNEMA –)
PROGRAMM 1 – Fr 24. März, 11.00 Uhr, Schubertkino 2
ERZ SCHMERZ (Bernhard Frankfurter, AT 1984, 51 min)
FRAUEN VON G. – Vorfilm aus der TV-Reihe „Prisma“ (Bernhard Frankfurter, AT 1977, 26 min)
Dieses dokumentarische Doppel aus der Arbeitswelt bildet Bernhard Frankfurters feines Gespür für soziale Schieflagen und den Wandel der österreichischen Industrielandschaft ab: Zuerst nähen die „Frauen von Gaming“, einer Textilfirma für Skibekleidung, im Akkord und berichten über ihre prekären Arbeitsbedingungen, anschließend herrscht „Erz Schmerz“ am Erzberg.
Rings um Eisenerz in der Steiermark stirbt eine jahrtausendealte Arbeitsform, der Erzberg. Frankfurters Film dokumentiert eindringlich den Schmerz, den der Grubenabbau – Wirtschaftskrisen und Kriege überdauernd – in die Gewerke, in ihre Familien und selbst in die ausgemergelte Landschaft gerissen hat. Er zeigt aber auch das Herz, mit dem die Eisenerzer*innen an ihrem Berg hängen, dem „steirischen Brotlaib“, der sie so lange ernährt hat.
Einführung: Michael Omasta, Brigitte Mayr. Im Anschluss ein Gespräch mit Andrea Christa
Detailliertes zu Inhalt und Credits unter https://www.diagonale.at/filme-a-z/?ftopic=finfo&fid=11851
PROGRAMM 2 – Fr 24. März, 20.30 Uhr, Rechbauerkino
ON THE ROAD TO HOLLYWOOD ( Bernhard Frankfurter, AT 1982, 101 min)
Auf den Spuren der Geschichte, des Überlebens und des Kinos. Eine filmische Detektivarbeit, die den Wegen der in den Jahren von 1933 bis 1938 vertriebenen Regisseuren, Autoren, Schauspieler*innen in die Emigration folgt. „On the Road to Hollywood“ ist ein Versuch, die „Erfahrung des Exils“ in Bildern und Tönen zu dokumentieren, eine filmische Recherche über das österreichische Filmexil, unternommen von Bernhard Frankfurter Anfang der 1980er-Jahre. Der Regisseur hat ein Dutzend Protagonist*innen, Vertriebene wie Täter*innen, ausgeforscht, besucht und interviewt: in Wien, London, Berlin, Prag, New York sowie – als extreme Gegenpole – Theresienstadt und Hollywood. Dass sie selbst zu Wort kommen, macht einen Gutteil der Qualität seines Films aus. .
Mit einer Einführung von Michael Omasta
Detailliertes zu Inhalt und Credits unter https://www.diagonale.at/filme-a-z/?ftopic=finfo&fid=11849
PROGRAMM 3- Sa 25. März, 10.45 Uhr, Schubertkino 2
DIE VERTREIBUNG AUS DEM PARADIES (Bernhard Frankfurter, AT 1978, 87 min)
ASYL – SZENEN AUS EINEM MILIEU – Vorfilm aus der TV-Reihe „Impulse“ (Bernhard Frankfurter, AT 1973, 29 min)
Der Regisseur begleitet den befreundeten Maler Franz Ringel mit der Kamera über drei Monate bei der Arbeit im Atelier und im Leben. Dabei entsteht ein Film, der heißt wie das Bild. Kein konventionelles Künstlerporträt, sondern Frankfurter dokumentiert die Entstehung eines Gemäldes. Der Schaffensprozess wird nicht losgelöst vom Alltag des Malers gezeigt, vielmehr fragt der Film danach, was den Künstler antreibt.
Davor erkundet der Kurzfilm „Asyl – Szenen aus einem Milieu“ die Lebensumstände in einem Elendsviertel von Graz, dem berüchtigten Barackenlager Nord.
Mit einer Einführung von Brigitte Mayr
Detailliertes zu Inhalt und Credits unter https://www.diagonale.at/filme-a-z/?ftopic=finfo&fid=11852
PROGRAMM 4 – Sa 25. März, 14.30 Uhr, Schubertkino 2
SS-NR. … – Ein SS-Arzt in Auschwitz (Bernhard Frankfurter, AT 1984, 76 min)
Ein hoch konzentriertes, an zwei Tagen geführtes Gespräch mit Hans Wilhelm Münch, der, wie Josef Mengele, SS-Arzt in leitender Position im Vernichtungslager Auschwitz war. Eine Low-Budget-Produktion, gedreht auf Super8, als brisantes Zeitdokument, mit dem Frankfurter das Publikum adressiert: „Wie sehr in meinem Beitrag der Prozess der Selbstaufdeckung, der Entlarvung, der Präsenz der Psychostrukturen von Täterschaft manifestiert wird, ist Ihrer Wahrnehmung überlassen.“
Mit einer Einführung von Heimo Halbrainer. Im Anschluss ein Gespräch mit Michael Pilz
Detailliertes zu Inhalt und Credits unter https://www.diagonale.at/filme-a-z/?ftopic=finfo&fid=11865
Das gesamte Programm der Diagonale – Festival des österreichischen Films in Graz von 21. bis 26. März 2023 finden Sie unter: ww.diagonale.at
Hier der „analoge“ Programm Guide zum Durchblättern: https://www.diagonale.at/wp-content/uploads/2023/03/Diagonale23-Guide_web.pdf
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Mit besonderem Dank an Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber und das gesamte DIAGONALE-Team, dafür, dass sie uns mit Filmen und Rahmenprogramm ein Festival bereiten, dort, wo es hingehört: ins Kino.
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SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien ist eine – von der Sektion IV: Kunst und Kultur / Abt. 3: Film des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport – geförderte Institution.
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