Dem Filmemacher Peter Goedel zum 80er – KINO und LEKTÜRE


Anlässlich des 80. Geburtstags des Filmemachers Peter Goedel im April wird an gleich drei Stationen mit dreizehn seiner wichtigen Arbeiten, einem bunten Potpourri aus Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilmen, der ihm für sein langjähriges Schaffen gebührende Tribut gezollt. Wir gratulieren herzlich!

„Peter Goedels Filme“, schreibt sein Freund Peter Nau, „geben mir das Gefühl, bei mir selbst und zugleich bei den Dingen zu sein, die sich mir zeigen. Es wird von etwas erzählt, über etwas berichtet, und dann sind da immer wieder Momente, in denen ein Film ganz zu sich selbst kommt; Momente, in denen wir das aus dem Film heraus uns Begegnende rein als es selbst, in seinem eigenen Rang vor uns kommen lassen. An diesen Ruhepunkten atmen die Filme aus. Durch die sinnliche Erscheinung der Menschen und Dinge hindurch dringt dann dasjenige auf uns ein, wonach nie gefragt wird: ihr Sein. Es wird uns auffällig, dass sie sind, und nicht mehr nur, wie sie sind.“

Zum 80. Geburtstag des Filmemachers Peter Goedel zeigt das FILMMUSEUM MÜNCHEN vom 30. März bis zum 5. April 2023 eine WERKSCHAU seiner Filme, die von vielen Gästen – darunter Armin Mueller Stahl – begleitet wird. Eröffnet wird sie mit einem seiner bekanntesten Filme: DAS TREIBHAUS (1987), nach einem Roman von Wolfgang Koeppen, mit Christian Doermer in der Hauptrolle des Abgeordneten Keetenhoeve, der nach 1945 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt und an der bundesrepublikanischen Wirklichkeit scheitern muss. In AN DER SAALE HELLEM STRANDE – EIN KULTURHAUS ERZÄHLT (2010) blickt der in der DDR aufgewachsene Filmemacher zurück auf das Land seiner Kindheit und die Institution „Kulturhaus“.
Der Dokumentarfilm HINTER DEN ELBBRÜCKEN (1986) folgt den Sehnsüchten dreier Männer, die für ihre Arbeit zwischen Nordostseekanal und Elbbrücken unterwegs sind. Den Film hat Peter Goedel in Schwarzweiß gedreht, wobei durch den Verzicht auf Farbe eine besondere Konzentration auf die Protagonisten entsteht. Dasselbe gilt für den Dokumentarfilm TALENTPROBE (1980), eine schonungslose Schlagerwettbewerbsveranstaltung im Kölner Rheinpark, in der die Auftretenden bei Nichtgefallen gnadenlos vom Publikum niedergebuht werden.

Eine Kinopremiere ist der Krimi LE STAR DE BABELSBERG, den Peter Goedel 1994 für das französische Fernsehen und die Reihe NOVACEK gedreht und im Berlin kurz nach der Wiedervereinigung angesiedelt hat. Der Film wurde für die Aufführung im Filmmuseum deutsch untertitelt. Zum Abschluss wird der Essay TANGER – LEGENDE EINER STADT (1997) gezeigt, in dem sich historische und aktuelle Bilder der marokkanischen Stadt vermischen. Verbunden werden die Elemente durch die fiktive Geschichte eines ehemaligen Geheimdiplomaten (Armin Mueller-Stahl), der nach über vierzig Jahren in die Stadt zurückkehrt.

Peter Goedel ist bei allen Vorführungen anwesend. Zu Gast sind außerdem die Schauspielerin ISOLFE BARTH, die Schauspieler ARMIN MUELLER-STAHL und ROBERTO de HOLLANDA sowie der Produzent YVES PASQUIER.

Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München, Deutschland.

Zum pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.

Zu den ausführlichen Texten, speziell einer wunderbaren Einleitung ins Werk Goedels von Peter Nau, bitte hier weiterlesen:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/filmmuseum/filmreihen/peter-goedel

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Berliner Filmmontag im Toni
Montag, 17. April 2023, 18:00

FILM IM GESPRÄCH – zum 80. Geburtstag von Peter Goedel

DAS TREIBHAUS
R: Peter Goedel. D: Christian Doermer, Laila-Florentine Fréer, Jörg Hube. BRD 1987, 101′

Goedels Verfilmung des gleichnamigen Romans von Wolfgang Koeppen gehört zu seinen erfolgreichsten Filmen, wurde mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ ausgezeichnet und für den Deutschen Filmpreis 1988 nominiert. Das Thema besticht durch seine besondere Aktualität. Der Film erzählt vom linken Idealisten und sozialdemokratischen Bundestagsabgeordneten Keetenheuve. Die Blüte seiner Jahre hatte er in der Emigration zugebracht, nun reibt er sich im Widerstand gegen die Politik der Adenauer-Regierung auf. Er kämpft Anfang der 50er Jahre gegen die Wiederaufrüstung und Militarisierung der westdeutschen Gesellschaft. Und er tritt für die Wiedervereinigung der Deutschen ein. Seiner politischen Arbeit fiel seine Ehe zum Opfer. Der tägliche Umgang mit den Trägern der Macht hat ihn desillusioniert.

Gesprächspartner: PETER GOEDEL (Regisseur), HANNS ZISCHLER (Schauspieler) und PETER NAU (Filmkritiker)

Einführung und Moderation: PAUL WERNER WAGNER

Kino Toni, Antonplatz 1, 13086 Berlin-Weißensee, Deutschland,
www.kino-toni.de

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LEBENSWEGE – PETER GOEDEL ZUM 80. GEBURTSTAG
Filmmuseum Potsdam

Peter Goedel erlebte seine Schulzeit bis zum Abitur in Potsdam. Ideologische Eingriffe eines Parteisekretärs in das Berufsleben von Goedels Vater führte die Familie dazu, die DDR kurz vor dem Mauerbau zu verlassen. Der 80. Geburtstag des Regisseurs sowie aktuelle politische Entwicklungen geben Anlass, sich mit dem filmischen Werk Goedels zu befassen: Die ausgewählten Filme erzählen von menschlichen Entwicklungen im Strudel der Weltgeschichte. Sie thematisieren die Kämpfe, Ohnmachtsgefühle und Verzweiflung des Individuums angesichts übergroßer Herausforderungen historischer Umbrüche, aber auch den Lebensmut in schwierigen Zeiten.

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Potsdam

Do | 27 April | 2023, 17:00h

DAS TREIBHAUS
Peter Goedel findet für die Verfilmung von Wolfgang Koeppens bedeutendem Nachkriegsroman einen eigenen, gegenwartsbezogenen Erzählstil, verwendet Wochenschau-Ausschnitte aus der Adenauer-Zeit sowie Nachrichtenclips aus den 1980er Jahren, als das Thema Aufrüstung durch Nuklearwaffen erneut Aktualität hatte. „Peter Goedels literarischer Sinn, seine Affinität zum traumdunklen Koeppen sind fühlbar.“ (Peter Nau)

Im Anschluss ein Gespräch mit PETER GOEDEL, moderiert von STEPHAN AHRENS (Universität Paderborn)

https://www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=0449a11bf12616404119001d907f4db1&year=2023&month=04

Do | 27 April | 2023, 20:00h

TANGER – DIE LEGENDE EINER STADT
R: Peter Goedel. D: Armin Mueller-Stahl, Lisa Martino, Martin Kluge. D/F 1997, 98′
Armin Mueller-Stahl verkörpert die Figur Hanson, die – einer verlorenen Liebe nachtrauernd – durch die Gassen Tangers flaniert. Persönliche Erinnerungen mischen sich mit der flirrenden Atmosphäre und der sagenumwobenen Geschichte der marokkanischen Hafenstadt, Tanger war Tummelplatz für verrückte Millionäre, Ganoven und Agenten, aber auch berühmte Schriftsteller wie William S. Burroughs oder Paul Bowles. Peter Goedels Filmessay schöpft die Mittel von Spiel- und Dokumentarfilm aus und lässt sie – auch durch die einzigartige Filmmusik Khalil Chahines – in eine atmosphärische Verbindung treten. „Tanger – Die Legende einer Stadt“ ist erstmals in Potsdam auf großer Leinwand zu sehen.

Einführung: Peter Goedel
https://www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=07b91d46f12616402951001d907f4db1&year=2023&month=04

Filmmuseum Potsdam, Breite Straße 1A/Marstall, 14467 Potsdam, Deutschland
www.filmmuseum-potsdam.de

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Und als Empfehlung zur FILMLEKTÜRE:

Peter Goedel ist als Film- und TV-Regisseur ein Autorenfilmer, ein Essayist und poetisch Forschender obersten Ranges, mit großer Affinität zur Literatur und Musik. Wir dringen ins Innerste dessen ein, was er in seinen Filmen darstellt. Gleichzeitig ist die Form dieser Darstellung, das Filmische also, bei ihm jederzeit spürbar, sodass auch die beglückende Erfahrung einer Freiheit dem Gegenstand gegenüber immerzu mit im Spiel ist. Wir wandeln in den Geheimnissen und Weiten des Dargestellten, tragen Schätze aus ihm ein, verändern und belehren uns dabei.

Die vorliegende Broschüre enthält Betrachtungen (Miniaturen) zu allen zugänglichen Filmen Peter Goedels, einen Beitrag zu seiner Biografie, eine Filmografie und ein Vorwort zum stilvoll Schönen seiner Filme. (Peter Nau)

Die Miniaturen von Peter Nau zu den Filmen von Peter Goedel: Gruselkrimis in der Hauptschule – Elias Canetti – Was Eltern fordern – Rainer, 21 Jahre, möchte Schlagersänger werden – Wir vom Film – Talentprobe – Rückkehr zu den Sternen – Hugo Kükelhaus – Hinter den Elbbrücken – Das Treibhaus – Treibhaus Bonn – Es war einmal in Masuren – Verschollen im Videoraum – Das Feuer der Menhire – Trip nach Tunis – La Star de Babelsberg – Faber-Castell – Stars unter Palmen – Tanger – Eine Kindheit in Marokko – Verbrechen in Florenz – An der Straße von Gibraltar – Talentprobe: Ein Wiedersehen – Gertis Schoppenstube – Ein Klubhaus erzählt – Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

Peter Nau
DAS UNBEKANNTE MEISTERWERK. Die Filme von Peter Goedel

Redaktion: Brigitte Mayr, Michael Omasta
SYNEMA-Publikationen (Wien 2018)
52 Seiten, 35 Fotos in Farbe und Schwarzweiß, in deutscher Sprache
ISBN 978-3-901644-75-7, Preis: € 10,–

Gerne direkt zu bestellen unter: office[at]synema.at
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SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien ist eine – von der Sektion IV: Kunst und Kultur / Abt. 3: Film des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport – geförderte Institution.
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