¡Präsentation! András Visky „Die Aussiedlung“ (Suhrkamp)


Do, 26.2.2026 | 19.00 Uhr.

Lesung und Gespräch: András Visky.
Moderation und Gespräch: Florian Baranyi.

András Visky, Jahrgang 1957, ist ein namhafter ungarischer Dramatiker und Regisseur, der in Cluj-Napoca lebt und arbeitet. Er selbst bezeichnet sich als transsilvanischen Autor. „Transsilvanien (Siebenbürgen) ist ein wunderbarer vielsprachiger Kulturraum. Ich bin hier zu Hause. Rumänisch habe ich im Lager gelernt, gleichzeitig mit meiner Muttersprache. Als Angehöriger einer Minderheit lernt man früh, dass sich hinter der nächsten Tür eine andere Wahrheit, eine andere Vorstellung vom Leben, eine andere Lokalgeschichte verbirgt. Die Erfahrung, zu einer Minderheit zu gehören, macht uns menschlich.“ 2022 veröffentlichte er seinen ersten und einzigen Roman Die Aussiedlung, der nun in der Übersetzung Tamea Tankós auf Deutsch erschienen ist. Bereits vor über 20 Jahren hat András Visky einen Auszug daraus in einer Zeitschrift veröffentlicht. „Ich wusste schon damals, dass alles, was ich schreibe – Lyrik, Essays, Theaterstücke –, eines Tages in diesen Roman münden würde. Die vielen Dinge, die ich ausprobiert und wieder verworfen habe, um eine Struktur zu finden, haben mir letztlich geholfen. Ohne die gescheiterten Ansätze hätte ich nie den schmalen Pfad entdeckt, der auf mich wartete und den ich einschlagen musste, um stilistisch, formal und erzähltechnisch voranzukommen.“

In Die Aussiedlung berichtet András, der Erzähler, jüngstes von sieben Kindern, der seine tapfere Mutter Júlia über alles liebt – wo sie ist, lauert das Glück, egal, was geschieht. Vier Jahre lang zieht sie mit ihren Kindern in der ostrumänischen Steppe umher – sie wurden „ausgesiedelt”, nachdem der Vater, ein Pastor, zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war. Sie richten sich in Erdhöhlen ein und in verlassenen Dörfern, beaufsichtigt von den Behörden. Sippenhaft. „Ich merke mir alles und werde über alles schreiben, wenn die Zeit gekommen ist, sage ich zu unserer Mutter, um sie zu trösten, als ich sie beim Weinen ertappe, schreiben verwende ich als Synonym für rächen, ohne zu wissen, was ich sage.“ Jahrzehnte später findet Visky den gleichmütigen, zuweilen heiteren Ton, die leuchtenden Bilder und die Form: 822 durchnummerierte Minikapitel, die Atemzügen gleichen. Der Entschluss, umeinander zu kämpfen, „solange die Seele mich trägt“, verbindet die Eltern, tiefgläubige, einander leidenschaftlich liebende Menschen, deren Haltung sich ihren Kindern unauslöschlich einprägt. Der Gewalt des kommunistischen Staates setzen sie ihr NEIN entgegen. Wie sich die Fantasie mit der Liebe verbündet: gegen die Wirklichkeit und gegen die Versuchung, böse zu werden – das ist so noch nie erzählt worden.

Florian Baranyi moderiert den Abend im Literaturhaus Wien, der auf Ungarisch und Deutsch stattfindet.