Exklusiv im METRO Kinokulturhaus
In JEDER SCHREIBT FÜR SICH ALLEIN begeben sich Dominik Graf, der morgen zur Österreich-Premiere im METRO Kinokulturhaus auch persönlich anwesend sein wird, und Felix von Boehm auf die Spuren von Schriftsteller*innen, die im Unterschied zu vielen anderen in Nazideutschland geblieben sind.
JEDER SCHREIBT FÜR SICH ALLEIN
D 2023 – REGIE: Dominik Graf / Felix von Boehm.
BUCH: Dominik Graf, Constantin Lieb, Anatol Regnier, nach dessen gleichnamigen Buch.
KAMERA: Florian Mag, Markus Schindler, Niclas Reed Middleton, Pierre Nativel, Sven Jakob-Engelmann.
MIT: Anatol Regnier, Florian Illies, Géraldine Mercier, Albert von Schirnding, Christoph Stölzl, Henrike Stolze, Günter Rohrbach, Gabriele von Arnim, Julia Voss, Willy Kristen u. a.
LÄNGE: 169 min – FORMAT: Farbe, DCP – FASSUNG: deutsche Originalfassung.
Als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, gingen fast alle bedeutenden Schriftsteller*innen ins Exil. Über diejenigen, die zwischen 1933 und 1945 im Land blieben, hat Anatol Regnier ein spannendes Buch geschrieben. Felix von Boehm und Dominik Graf haben es als Filmessay adaptiert. Regnier selbst führt darin als Literaturhistoriker in die Archive und an die Lebensorte bekannter Autor*innen, deren Biografien im NS-Regime zwischen ideologischer Begeisterung oder Anpassung, Berufsverboten oder heimlicher Ablehnung unterschiedliche Verläufe nahmen: Gottfried Benn, Erich Kästner, Jochen Klepper, Hans Fallada, Hanns Johst, Ina Seidel und Will Vesper. Einfache Kategorisierungen vermeidet der Film und er stellt insbesondere den bis heute verbreiteten Ausdruck „innere Emigration“ (Frank Thiess) in Frage. Es entsteht ein differenziertes Bild über das Künstler*innenleben im Faschismus und die Graustufen von Schuld und Mitverantwortung.
JEDER SCHREIBT FÜR SICH ALLEIN verbindet auf gelungene Weise essayistische und informative Elemente. Der Film nutzt unterschiedlichste visuelle Materialien: Reportage-Szenen mit Regnier, historische Archivfilme, Fotografien, Handyvideos, Reenactments, Spielfilm-Ausschnitte und sogar Probeaufnahmen von Grafs letztem Film, der Kästner-Adaption FABIAN. Die Montage bringt diese heterogenen Bilder in eine stringente Dramaturgie und setzt sie mal illustrativ, mal assoziativ zur Thematik ein. Jeder Person ist eine Episode gewidmet, eine klare Struktur hilft, die Fülle an Material zu ordnen. Denn auch auf der Tonspur sprechen etliche Stimmen, zu hören sind Auszüge aus Werken oder Briefen, Interviews mit Expert*innen und auch ein literarisch stilisierter Voice-Over-Erzähler in personam Dominik Graf.
Freitag, 17.11.2023, 18.30 Uhr Österreich-Premiere
Im METRO Kinokulturhaus, Johannesgasse 4, 1010 Wien.
Anschließend ein FILMGESPRÄCH MIT DOMINIK GRAF, Michael Omasta und Brigitte Mayr (SYNEMA).
Infos zu weiteren Terminen bis 30.11.2023 und Ticketbestellung im METRO Kinokulturhaus
https://www.filmarchiv.at/program/premiere/jeder-schreibt-fuer-sich-allein/
Die Lektüre-Empfehlung:
Christoph Huber / Olaf Möller
DOMINIK GRAF
Band 18 der FilmmuseumSynemaPublikationen
Dominik Graf, eine Ausnahmeerscheinung im Film-Fernseh-Betrieb, ist vieles auf einmal – das macht viel von seiner Faszination aus.
Manchmal ist er Genrekonfektionär, der sich innerhalb eng abgesteckter TV-Formate listig Freiräume erkämpft und mit seinen Episoden für Der Fahnder oder Tatort deutsche Fernsehgeschichte geschrieben hat; sein einziger kommerzieller Kinoerfolg, Die Katze, entwickelte sich gar zu einem veritablen „generational text“.
Manchmal ist er Autorenfilmer im Geiste der Nouvelle Vague und des New Hollywood, der mit Meisterwerken wie Spieler, Der Felsen, Die Freunde der Freunde oder Das Gelübde für Verstörung sorgte, einem Historienfilm, der von der Beziehung zwischen Clemens von Brentano und der Nonne Anna Katharina von Emmerick erzählt.
Und manchmal schreibt er Geschichte, polemisch, wie in Denk ich an Deutschland – Das Wispern im Berg der Dinge oder Lawinen der Erinnerung. So genau trennen allerdings lässt sich eins vom anderen nicht. Davon erzählt dieses Buch in einem Essay von Christoph Huber, einer kommentierten Filmografie von Olaf Möller sowie einem ausführlichen Gespräch der beiden Autoren mit Dominik Graf.
Verlag SYNEMA-Publikationen
Broschur, 208 Seiten, 90 Abb., ISBN 978-3-901644-48-1, Preis € 20.-
Wir freuen uns über Ihr Interesse und nehmen gerne Ihre Bestellung entgegen unter: office[at]synema.at
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SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien ist eine – von der Sektion IV: Kunst und Kultur / Abt. 3: Film des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport – geförderte Institution.
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