DOKfilm im DIALOG: „UNTER DEN BRETTERN HELLGRÜNES GRAS“ (A 2005)


ADMIRAL KINO & SYNEMA laden sie herzlich ein zu
DOKfilm im DIALOG
Eine Filmreihe & Werkstattgespräche im ADMIRAL KINO gemeinsam mit SYNEMA

Im Mittelpunkt zur Veranstaltungsreihe stehen hochqualitative Dokumentarfilme, die auf großer Leinwand zu sehen sein werden, als Gemeinschaftserlebnis im Kinosaal. Danach wird dem Publikum die Möglichkeit geboten, mit den anwesenden Filmemacher*innen persönlich in einen Dialog zu treten, der von kompetenten Gesprächspartner*innen moderiert wird.

SYNEMA und das ADMIRAL KINO, zwei Film- bzw. Kino Organisationen, die seit Jahrzehnten im Wien-Neubau ansässig und Garanten für grenzüberschreitenden Filmdiskurs sind, wollen mit dem gemeinsamen „Film-Schauen“ und dem spontanen „Drüber-Reden“ mit den Macher*innen jene Aufmerksamkeit auf dokumentarische/s Arbeiten lenken, das diese innovative Filmkunst mehr denn je verdient hat. (Michaela Englert & Brigitte Mayr)

Der erste Termin der Reihe:

Mittwoch, 23. November 2022, 20:00 Uhr
UNTER DEN BRETTERN HELLGRÜNES GRAS (A 2005)
Buch, Regie: Karin Berger. Kamera: Joerg Burger, Karin Berger. Schnitt: Thomas Scheider. Musik: Ceija Stojka, Hoida Stojka. Produktion: Navigatorfilm, 52 Min.

„Eine außergewöhnliche Frau steht im Zentrum von Karin Bergers nicht weniger außergewöhnlichem neuem Film, einem knapp einstündigen Dokumentarbericht mit dem trügerisch poetischen Titel „Unter den Brettern hellgrünes Gras“. Ceija Stojka, heute 72 Jahre alt, Romní von Geburt und Künstlerin von Beruf, erzählt die Geschichte ihrer Kindheit, deren größten Teil sie in Vernichtungslagern der Nazis verbringen musste, in Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen. Anders als der 1999 realisierte Kinofilm „Ceija Stojka“, der sich gleichfalls der langjährigen Freundschaft zwischen den beiden Frauen verdankte, bleibt die neue Arbeit dicht und unmittelbar, ohne Abschweifungen oder Ausflüchte, fast zur Gänze am erinnerten, gesprochenen Wort: Wie sich Kinder unter Leichenbergen wärmten, wie Mutter und Tochter von den Alliierten befreit wurden, wie schwierig das alltägliche Leben danach war. Man hört und sieht und kann’s einfach nicht fassen. „Unter den Brettern hellgrünes Gras“ verhält sich zum vorangegangenen Film wie eine Nahaufnahme zu einer Halbtotalen, und das ist sehr, sehr gut so.“ (Michael Omasta, FALTER)

Im Anschluss: KARIN BERGER im GESPRÄCH mit MONIKA BERNOLD

KARIN BERGER ist Filmemacherin, Buchautorin und Wissenschaftlerin. Seit Beginn ihres filmischen Arbeitens in den 1980er-Jahren ist sie eine engagierte und kritische Medienkünstlerin, die Lebensgeschichten nachspürt und Frauen, deren Erfahrungen und Erlebnisse sonst in Vergessenheit geraten würden, als Zeitzeuginnen porträtiert. Sie kommt aus dem nördlichen Waldviertel, studiert Ethnologie und Politikwissenschaft in Wien, arbeitet als freiberufliche Journalistin und an wissenschaftlichen Projekten und forscht während längerer Studienaufenthalte in den USA und in Belém/Brasilien. Der erste, für das Kino gedachte Dokumentarfilm entsteht gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe zum Thema des Widerstandes österreichischer Frauen gegen den Nationalsozialismus („Küchengespräche mit Rebellinnen“). Ihre filmischen Projekte sind oft mit der Publikation von Büchern zum gleichen Thema verbunden, wie der Herausgabe der autobiographischen Aufzeichnungen der Romní Ceija Stojka „Wir leben im Verborgenen“ und „Reisende auf dieser Welt“. Ihr Film „Herzausreisser – Neues vom Wienerlied“ thematisiert neue Bezüge zu traditioneller Musik und – eng damit verbunden – Wiener Mentalität. Daneben Lehrtätigkeit etwa an der Universität Wien, Schwerpunkt Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte oder der Kunstuniversität Linz, Abteilung Zeitbasierte Medien.
Mehr zu ihrer Arbeit, ihren Büchern und Filmen http://www.karinberger.at/

MONIKA BERNOLD Zeithistorikerin, Kultur- und Medienwissenschafterin. Dozentin für Zeit- und Mediengeschichte an der Universität Wien, wo sie gerade auch an das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft für die nächsten zwei Jahre als Gastprofessorin für „Kulturgeschichte audiovisueller Medien“ berufen wurde. Seit 1990 Leitung und Mitarbeit an/von wissenschaftlichen Forschungsprojekten, internationale Vortragstätigkeit, wissenschaftliche Publikationen, Texte für Ausstellungen und Kunstprojekte sowie Vorstands- und Gründungsmitglied Interessengemeinschaft Externe LektorInnen und Freie WissenschafterInnen und Mitglied des Vereins Sammlung Frauennachlässe an der Universität Wien. Lehraufträge u. a. an der Akademie der Bildenden Künste und der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien, der Ruhruniversität Bochum und für Gender Studies an der Universität Salzburg. Zahlreiche Publikationen zu Medien- Konsum und Geschlechtergeschichte sowie zu feministischer Auto/ Biographieforschung.
Siehe näheres zu Publikationen und Projekten https://zeitgeschichte.univie.ac.at/ueber-uns/privatdozentinnen-und-lektorinnen/monika-bernold/

Vorankündigung der nächsten Termine der Reihe DOKfilm im DIALOG:

30.11.2022, 19:30 Uhr: SIE IST DER ANDERE BLICK
Realisation: Christiana Perschon. Dokumentarfilm. A 2018. 90 Min.
In einer außergewöhnlichen Bildsprache stellt der Film von Christiana Perschon anhand von fünf bemerkenswerten Protagonistinnen grundlegende Fragen nach der Sichtbarkeit von Frauen im (internationalen) Kunstbetrieb stellt. Wir sehen die Künstlerinnen Renate Bertlmann, Linda Christanell, Lore Heuermann, Karin Mack und Margot Pilz bei der Arbeit, hören ihre Stimmen und erfahren von ihrem Engagement in der neuen Frauenbewegung ebenso wie von den patriarchalen Strukturen der Wiener Kunstszene der 1970er Jahre, in der sie sich privat wie künstlerisch mit viel Kraft durchgesetzt haben. Sie alle haben in ihrer Vorreiterinnenrolle die zeitgenössische Kunst und das Selbstverständnis von Künstlerinnen in der Gegenwart geprägt und erzählen über künstlerische Ambitionen, wirtschaftliche Zwänge, Angepasstheit und Widerständigkeit gegen die vorherrschenden patriarchalen Gesellschaftsstrukturen.

Im Anschluss: CHRISTIANA PERSCHON im GESPRÄCH mit SABINE PERTHOLD

CHRISTIANA PERSCHON lebt und arbeitet als Filmemacherin in Wien. Sie studierte Kunst und Film an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Sie arbeitete als Redakteurin beim ORF, im Rahmen des Projektes MenschenLeben der Österreichischen Mediathek, am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft und als Kuratorin im Filmmuseum (Barbara Hammer Retrospektive 2018). Sie ist Mitglied der Golden Pixel Cooperative.

SABINE PERTHOLD, Kulturmanagerin, Redakteurin, Medienwissenschafterin und Filmkuratorin. Herausgeberin mehrerer Bücher zur Medienkunst, (Co-)Konzeption der Film- und Videofestivals „Rote Küsse“, „Bilderwandel“, „Dressed to film“ sowie der interdisziplinären Mediengespräche „Let’s talk about Media“. Jurymitglied in diversen Fach- und Auswahlgremien für Theater, Literatur und Film.

14.12.2022, 19:00 Uhr: 28 APRIL 1995 AUS LIEBE / FOR LOVE
Realisation: Michael Pilz. Dokumentarfilm. A 2004. 180 Min.

Ein Politkrimi, Melodrama und große Tragödie. In einer Interview-Einstellung erzählt die Schriftstellerin Brigitte Schwaiger (1949–2010) von den Erfahrungen mit einer Liebe in den späten 60ern, als sie mit einem Angehörigen des Franco-Militärs verheiratet war. „Nach wenigen Minuten kann sich der Zusehende diesem eindringlichen Erzählstrom nicht mehr entziehen. Was erzählt sie da, darf sie das? Ist das nicht viel zu privat, hat sie das erlebt oder spricht die Autorin einen fiktiven Text? In der Konzentration und Erschöpfung der Berichtenden wird auch ausgelotet, wie körperlich Film sein kann und sollte – also nicht nur den Sehsinn involvierend, sondern Herz und Hirn. Es ist zu spüren, wie Film das eigene Leben angreift, wie es möglich ist, bleibende Erfahrungen zu machen, durch Film vermittelt, aber doch unmittelbar, abzulegen im eigenen Speicher des emotionalen Erlebens.“ (Birgit Flos, Der Standard))

Im Anschluss: MICHAEL PILZ im GESPRÄCH mit BRIGITTE MAYR

MICHAEL PILZ Pilz realisiert als sein eigener Kameramann, Cutter, Toningenieur und Produzent seine Werke – von „Himmel und Erde“ (1982) über „A Prima Vista“ (2008) bis zu „Three Days, My Friend“ (2021) – quasi als Einmannunternehmen – freilich oft in Zusammenarbeit mit Künstlern und Künstlerinnen aus anderen Sparten (Musik, Tanz, Literatur, Bildhauerei, Architektur).

BRIGITTE MAYR, wissenschaftliche Leitung von SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien, einer interdisziplinären Schnittstelle zur Vermittlung zwischen Theorie und Praxis, Kunst und Wissenschaft der audiovisuellen Medien. (Co-)Konzeption zahlreicher Symposien und begleitender Filmschauen sowie (Co-)Herausgeberin von Büchern u.a. zum Thema Filmexil.

ADMIRAL KINO, Burggasse 119, 1070 Wien

Ticket-Reservierungen telefonisch ( 01-523 37 59) oder die ADMIRAL-Homepage https://www.admiralkino.at/produktion/dokfilm-im-dialog/

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SYNEMA dankt den Filmemacher:innen und den Gesprächspartnerinnen für die produktive Zusammenarbeit in dieser feinen Reihe und vor allem Michaela Englert, der Betreiberin des ADMIRAL, ohne deren Herzblut und jahrelanges Engagement wir als begeistertes Publikum in diesem wunderbar analogem Grätzelkino nicht der großen Leidenschaft des Filme gemeinsam Ansehens frönen könnten. Und natürlich Thanks to Charlotte für den netten Flyer.

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Die Reihe DOKfilm im DIALOG wurde gefördert aus dem Kulturbudget des Bezirks Neubau.

SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien ist eine – von der Sektion IV: Kunst und Kultur / Abt. 3: Film des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport – geförderte Institution.