VORTRAG: Dr. Peter ROHRBACHER: „Diffusionismus trifft Prähistorie: Vere Gordon Childe und sein archäologisches und anthropologisches Netzwerk in Wien“


Bevor Childe zum Bibliothekar am Royal Archaeological Institute in London ernannt wurde, reiste er 1922 zweimal nach Wien, um unveröffentlichtes Material in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums zu studieren. Er lernte die führenden Vertreter der Wiener Schule des kulturgeschichtlichen Diffusionismus kennen, die durch die Verbindung von Archäologie und Ethnologie einen universalgeschichtlichen Ansatz verfolgten. Der Vortrag stellt Childes akademisches Netzwerk in Wien vor und beschäftigt sich im ersten Teil mit Vertretern der Archäologie wie Adolf Mahr und Oswald Menghin, der mit seinem Werk „Weltgeschichte der Steinzeit“ (1931) neue Maßstäbe für den Diffusionismus setzte. Der zweite Teil beleuchtet Childes ethnologische Verbindungen in Wien. Im Mittelpunkt steht Pater Wilhelm Koppers, der 1936 ein umfangreiches Werk über die kulturgeschichtlichen Ursprünge der Indoeuropäer veröffentlichte, um die nationalsozialistische Doktrin zu entkräften. Childes Beitrag zeugt von einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen einem Katholiken und einem Materialisten.

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