Lesung von Clemens Marschall & Anton Tantner Widerstand und Strategien des Entziehens – Miniaturen aus Wien, Paris, Hamburg und London.


Lesung beim Kultursommer Wien
Termin: Do, 7.7.2022, 18:30 – 19:30
Ort: Bühne Naschmarkt *)

*) Die Bühne ist zentral, direkt neben den Gemüseständen des Naschmarktes, wenige Gehminuten von der U4 Station Kettenbrückengasse gelegen. Vor und nach der Vorstellung lässt sich hier ganz wunderbar flanieren, Gastronomie probieren und sich im einzigartigen Flair verlieren. Schauen Sie vorbei!

Eintritt frei

Weitere Informationen unter: https://kultursommer.wien/veranstaltung/literaturmix-clemens-marschall-anton-tantner-widerstand-und-strategien-des-entziehens-robert-misik-das-grosse-beginnergefuehl/

 

Ein Abend mit Clemens Marschall & Anton Tantner sowie Robert Misik zu Revolutionen und Aufbruch in Kunst und Zeitgeschichte.

Clemens Marschall & Anton Tantner: Widerstand und Strategien des Entziehens. Miniaturen aus Wien, Paris, Hamburg und London

Der Historiker Anton Tantner und der Journalist Clemens Marschall präsentieren auf Grundlage ihrer Forschungsarbeiten erstellte feinziselierte Miniaturen: Diesmal stehen widerständige Gestalten und Strategien des Entziehens in Wien, Paris und London im Zentrum der Lesung, wobei nicht weniger als drei Jahrhunderte abgedeckt werden. Der in den Wiener Ballsälen ausgetragene Kampf um die Maske wird genauso behandelt wie die egalitäre Vision des Platzoberleutnants Hebenstreit. Reverenz erwiesen wird den Nummern der getöteten Pariser Kommunarden sowie der Lebensgeschichte zweier bislang wenig beachteter Persönlichkeiten, die den Nazis auf völlig unterschiedliche Arten entgegenarbeiteten: Muriel Gardiner kam, von Sigmund Freud fasziniert, aus einer wohlsituierten Familie von Amerika ins „Rote Wien“ und engagierte sich alsbald im politischen Widerstand. Später ermöglichte sie die Gründung des Freud Museums in London. Der Wiener „Büchermensch“ Fritz Saxl hingegen fädelte die gewiefte Rettung Aby Warburgs gigantischer Kulturwissenschaftsbibliothek ein, die bis heute in London als Forschungsinstitut besteht. Den Abschluss macht eine historische Fantasie: Imaginiert wird, dass 1789 vom Ballspielhaus des Wiener Neugebäude aus die Österreichische Revolution erfolgreich begonnen worden wäre.

Zuletzt von den Autoren erschienen:
Marschall, Clemens: Golden Days Before They End (in Zusammenarbeit mit Klaus Pichler). Zürich: Edition Patrick Frey, 2016.
Marschall, Clemens: Der Wiener Prater. Eine Kultur- und Sittengeschichte (in Zusammenarbeit mit Robert Kaldy-Karo). Wien: Klever Verlag, 2017.
Tantner, Anton: Von Straßenlaternen und Wanderdünen. Miniaturen aus dem abseitigen Wien. Wien: Mandelbaum, 2020.

Robert Misik: „Das Große Beginnergefühl“

Konventionen zertrümmern, Wahrnehmung revolutionieren, Neues imaginieren – das war der Geist der radikalen Moderne. Bert Brecht sprach vom großen Beginnergefühl. Heute scheint jeder utopische Optimismus verflogen – ist es damit ein für alle Mal vorbei?
»Keineswegs!«, hält Robert Misik solchen Abgesängen entgegen. Er unternimmt einen Parforceritt durch zweihundert Jahre moderne, radikale Kunst: von Heinrich Heine bis Elfriede Jelinek, von Patti Smith bis Soap & Skin, vom Bauhaus bis zum Gemeindebau. Das Aufbegehren gegen das Überholte und die Revolutionierung der Stile sind auch heute die große Aufgabe der Kunst, genauso wie Exzess und Intensität. »Ändere die Welt, sie braucht es«, sagt Misik mit dem alten BB. Er skizziert ein ästhetisches Programm jenseits von Kommerz, Entertainment und dem ewig schon Dagewesenen.
Robert Misik, geboren 1966 in Wien, ist Journalist und politischer Schriftsteller. In der edition suhrkamp erschien zuletzt sein Essay Die falschen Freunde der einfachen Leute (es 2741), der mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2019 ausgezeichnet wurde.