»DER „HELLSEHER“ ERIK JAN HANUSSEN UND DAS DRITTE REICH« Teil 1 Hanussens sensationelle Vorführungen in Berlin 1930–1933


Referent: Dr. Wilfried Kugel, Berlin

Nach Vorführungen im Gerichtssaal sprach das Kreisgericht Leitmeritz am 27. Mai 1930 Hanussen vom Vorwurf des Betrugs frei. Das Gericht ließ offen, ob Hanussen über hellseherische Fähigkeiten verfügt. Über die Sensation berichten viele Zeitungen, u.a. die New York Times. Hanussen ging nun nach Berlin. Hier füllte das „Phänomen“ Hanussen Veranstaltungssäle sowie illustrierte Zeitschriften und faszinierte das Publikum mit nie zuvor dagewesenen Sensationen, er: – macht Börsenvoraussagen – schildert eine Reise von Berlin-Zentrum nach New York-Zentrum im Jahre 2500, beschreibt der Handlung des nächsten, bisher ungedrehten Chaplin-Films (beides wurde mitstenographiert) – diktiert einen Zukunftsroman „S.O.S.“, was akustisch aufgezeichnet wurde – tritt weltweit erstmals in einer live im Rundfunk übertragenen Hellseh-Sèance auf – gibt das Magazins „Die andere Welt“ sowie die „Hanussen-Zeitung“ heraus – wird Werbeträger für eine Schönheitscreme und wollte ein „Schloß-Sanatorium Hanussen“ eröffnen – veröffentlicht eine „Hellsehende Schallplatte“ – erzielt in der Berliner Varieté-Bühne Scala sagenhafte Gagen – gründet einen „Bund der Hanussen-Freunde“, der 1932 fünf Millionen Mitglieder gezählt haben soll – prophezeit einen Unfall von Fürst Lobkowitz beim nächsten Avus-Autorennen – tritt in Wochenschauen auf – wird im September 1932 in Mayers Enzyklopädischem Lexikon verzeichnet – veröffentlicht Ende 1932 ein „Hanussen-Jahrbuch 1933″ – schreibt 1932-1933 in seinem Fortsetzungsroman „Die Million im Regulus“ über Kernenergie (Tonaufnahmen und Filmausschnitte werden gezeigt.) Das läßt seine Gegner nicht ruhen. „Hellseher“ Max Moecke versucht, Hanussen zu übertrumpfen. Wilhelm Gubisch macht ähnliche Vorführungen wie Hanussen und erklärt dem Publikum danach die Tricks. Der Vortrag schließ mit einer vorsichtigen Bewertung von Hanussens Fähigkeiten.