Daniel Brandner BA: „Aus der Fünsternüß an daß Tagliecht gebracht“


Einladung zum Vortrag von Daniel Brandner BA:
(NHM, Bergbauforschung Hallstatt)
„Aus der Fünsternüß an daß Tagliecht gebracht“
Dreidimensionale Rekonstruktion der prähistorischen Salzbergwerke von Hallstatt.

Mittwoch, 20. November 2024, 18:30 Uhr c.t.
Naturhistorisches Museum / Vortragssaal, Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien.

Das Einladungsplakat finden Sie hier.

Tief im Salzberg von Hallstatt befindet sich eine Zeitkapsel der Menschheitsgeschichte. Durch die konservierende Wirkung des Salzes haben sich alle Spuren der Bergleute aus den letzten Jahrtausenden perfekt erhalten und ermöglichen detaillierte Einblicke in prähistorische Lebens- und Arbeitswelten wie an kaum einem anderen Ort weltweit. Der Abbau von Steinsalz lässt sich bis in die Jungsteinzeit, 7000 Jahre vor heute, zurückverfolgen und erreicht insbesondere in der späten Bronze- und Eisenzeit eine Blütephase in der riesige Abbaukammern unter Tage entstehen. 

Auch die Montanarchäologie im ältesten Salzbergwerk der Welt in dem immer noch produziert wird hat eine lange Geschichte. Bereits im 19. Jh. wurden planmäßige Ausgrabungen unter Tage durch die jeweiligen Bergmeister veranlasst und Rekonstruktionen des urgeschichtlichen Grubengebäudes erarbeitet. Ab 1960 wurden die Untersuchungen der prähistorischen Salzbergwerke intensiviert und in einer Kooperation von Salinen Austria und Naturhistorischem Museum Wien auf neue Beine gestellt. Diese Forschungskooperation dauert bis heute an, unter stetiger Weiterentwicklung der Methoden am Puls der Zeit und mit immer neuen Fragestellungen. Die sensationellen Forschungsergebnisse dieser Kooperation haben 1997 wesentlich zur Ernennung der Region zum UNESCO-Welterbe beigetragen.

Die reiche Fundlandschaft unter Tage ist in Ihrer Erforschung komplex. Es sind keine Hohlräume erhalten da fast alle Abbaukammern durch Tagmaterialeinbrüche verfüllt sind. Wo das nicht der Fall ist hat der im Haselgebirge vorherrschende Bergdruck über die Jahrtausende diese wieder verschlossen. Im Verhältnis zur Größe der prähistorischen Abbaukammern liegen nur verhältnismäßig kleine Aufschlüsse dieser riesigen untertägigen Strukturen vor und ein Überblick gestaltet sich schwierig.

Um die Fundstellen sowie die große Menge an Daten aus den 175 Jahren Forschung miteinander in Verbindung setzen zu können, wurde durch Einsatz von modernen bildgebenden Verfahren eine digitale Kopie des Bergwerkes in den archäologisch relevanten Bereichen erstellt. Durch diese Datensynthese im dreidimensionalen Raum werden die prähistorischen Salzbergwerke in einer ganz neuen Dimension darstellbar, rekonstruierbar und vermittelbar.

Der Vortrag gibt Einblick in die Entstehung und Verwendung dieses virtuellen Bergwerkes. Es dient neben der Einbindung neuer Forschungsdaten auch als Grundlage zur Erarbeitung von neuen Forschungsfragen und Planung künftiger Untersuchungen. In dieser Hinsicht bewährt es sich bereits in einem aktuell laufenden, großen Projekt zur Erhaltung der Zugänge zu den prähistorischen Fundstellen unter Tage sowie in der Erkundung und Aufschließung einer kaum erforschten, eisenzeitlichen Abbaukammer.

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