Zur Problematik eines vom Gehirn unabhängigen Geistes
HR i. R. Dr. Günther Fleck, Pfaffstätten
In dem abschließenden Vortrag unseres Semesterprogramms soll die zu sehr kontroversen Auffassungen führende Frage, ob die Existenz eines vom Gehirn unabhängigen Bewusstsein grundsätzlich
denkbar und begründbar ist, näher untersucht werden. Nach einer überblicksartigen Darstellung klassischer Positionen der Gehirn–Geist–Debatte (auch als Leib–Seele–Debatte bekannt) in der Philosophie (Monismus versus Dualismus) erfolgt eine Fokussierung auf wissenschaftlichempirische Studien aus der Bewusstseinsforschung. Dabei werden zwei Beobachterperspektiven in Rechnung gestellt: die Perspektive der ersten Person und die Perspektive der dritten Person. Ein Vergleich der beiden Perspektiven führt zu kontroversen Ergebnissen, deren Auflösung sich bislang als undurchführbar erweist. Ob man diese Nichtauflösbarkeit als existentielle Ungewissheit bereit ist anzunehmen, oder ob man die eine oder andere Seite bevorzugt, ist letzten Endes eine vom Individuum getroffene metaphysische Entscheidung.
