Kurzbiographie – Hannes Stockinger

Hannes Stockinger PortraitHannes Stockinger ist Professor für Molekulare Immunologie und Leiter des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie und ebenso Leiter von einer Subeinheit des Zentrums, des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie. Das Zentrum ist mit 300 MitarbeiterInnen (davon etwa 200 aus Drittmitteln mit einem Mix 75%/25% öffentliche Mittel/Industrie) eine der größten translationalen Forschungseinrichtungen der Medizinischen Universität Wien.

Seine internationale wissenschaftliche Akzeptanz und Anerkennung spiegelt sich in der großen Zahl von Funktionen in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften und Organisationen, in die er im Laufe seiner Karriere gewählt bzw. gebeten wurde: beispielsweise war er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, Kuratoriumsmitglied des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich, Schatzmeister der Europäischen Vereinigung immunologischer Gesellschaften, etc. Derzeit ist er der Vorsitzende des Verbands wissenschaftlicher Gesellschaften Österreichs, dessen 160 Mitgliedsgesellschaften etwa 30.000 Einzelmitglieder einschließen. Weiters ist er Editor bei vier wissenschaftlichen Zeitschriften.

Hannes Stockinger und sein Forscherteam entdeckten und beschrieben erstmals eine Reihe von kritischen Rezeptoren,  antennenartige Strukturen auf der Zellmembran von Immunzellen und entwickelten Erkennungswerkzeuge (Antikörper) dagegen. Diese Antikörper werden heute nicht nur für die Erforschung des Immunsystems, sondern auch für die Diagnose von Immunerkrankungen und Leukämien eingesetzt, und einige waren Pioniere der heute so erfolgreichen Immuntherapien bei Krebs. Bemerkenswert sind weiters seine Forschungsergebnisse über Zellmembranstrukturen, die als Fettflöße bezeichnet werden. Es wird heute angenommen, dass diese Fettflöße die ersten Schaltstellen sind, über die die Zelle Signale aus der Umgebung durch Rezeptoren verarbeitet und kontrolliert. Somit sind diese Schaltstellen potentielle therapeutische Zielstrukturen.

Ein derzeitiger Forschungsschwerpunkt liegt in der Nanoskopie, um mit ultrasensitiven mikroskopischen Verfahren einzelne Moleküle (insbesondere Rezeptoren) in lebenden Immunzellen aufzulösen und zu studieren. Diese Untersuchungen liefern eine völlig neue Sicht auf die Organisation und Arbeitsweise der Moleküle in Zellen und dadurch die Grundlage für die Entwicklung neuartiger diagnostischer und therapeutischer Strategien gegen Autoimmunerkrankungen, Allergien, chronische Entzündungen, Krebs, Infektionen. Neben diesen Analysen von biochemischen Prozessen auf nanoskopischer Ebene liegt ein zweiter aktueller Schwerpunkt im zielgerichteten und geschützten Transport von Medikamenten durch neuartige biologische Nanogefäße. Die Resultate seiner Forschungstätigkeit sind in über 200 wissenschaftlichen Arbeiten, davon einige in Höchstligazeitschriften wie Cell, Science, Nature Methods, Nature Immunology dokumentiert.

Ein großes Anliegen ist ihm auch die Förderung und Ausbildung von JungwissenschafterInnen. Beispielsweise baute er für die PhD-Ausbildung an der Medizinischen Universität Wien als erster Curriculumdirektor und als Vorsitzender der Curriculumkommission für die Doktoratsstudien eine der erfolgreichsten PhD-Schulen auf. Für seine Arbeit wurde Hannes Stockinger mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Landeskulturpreis des Landes Oberösterreich und dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse der Republik Österreich.